Neun Tage nach dem Sechsfachmord in einer Mutter-Kind-Einrichtung im niedersächsischen Stade ist die mutmassliche Fluchtwagenfahrerin des Tatverdächtigen offenbar untergetaucht. Die 65-jährige Bremerin ist weder an ihrem Wohnort noch an ihrem Arbeitsplatz bei einem Verband für binationale Familien erreichbar. Die Staatsanwaltschaft ermittelt weiter gegen die Frau, sieht derzeit jedoch keinen dringenden Tatverdacht und beantragte bislang keine Untersuchungshaft.
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Nach bisherigen Erkenntnissen brachte die Frau den tatverdächtigen Fatih G. am 29. Juni zu einem Hilfeplangespräch in die Einrichtung und wartete nach der Bluttat im Fluchtwagen auf ihn. Sie erklärte später, der 45-Jährige habe sie mit vorgehaltener Pistole gezwungen, loszufahren. Erst nachdem Polizeibeamte auf die Reifen des Fahrzeugs geschossen hatten, konnte der Wagen gestoppt und beide Insassen festgenommen werden. Ob die Frau vorab Kenntnis von den Tatplänen hatte, ist weiterhin Gegenstand der Ermittlungen.
Bereits vor der Tat hatte sich die 65-Jährige öffentlich für den Beschuldigten eingesetzt. In einem 20-seitigen Schreiben an Medien stellte sie den Vater gegen den Verdacht der Kindesmisshandlung als «ruhigen und besonnenen Mann» dar und bezeichnete die schwere Kopfverletzung seiner drei Monate alten Tochter als Unfall. Zuvor hatten Ärzte nach einer Gehirnblutung den Verdacht eines Schütteltraumas geäussert. Nachdem der Vater laut Berichten versucht haben soll, eine Notoperation des Kindes zu verhindern, und dabei aggressiv auftrat, informierten die Ärzte das Jugendamt und erstatteten Anzeige. Das Kind wurde schliesslich in Obhut genommen.
Beim Hilfeplangespräch zog Fatih G. nach bisherigen Erkenntnissen eine Pistole und erschoss sechs Menschen, darunter Mitarbeitende des Jugendamts und der Einrichtung. Gegen ihn wurde Haftbefehl wegen des Verdachts des sechsfachen Mordes erlassen. Die Ermittler prüfen weiterhin, welche Rolle die mutmassliche Fluchtwagenfahrerin vor und nach der Tat spielte.