Nach dem tödlichen Angriff in einer Mutter-Kind-Einrichtung im niedersächsischen Stade weiten die Ermittler ihre Untersuchungen aus. Die Staatsanwaltschaft Stade führt nach eigenen Angaben inzwischen nicht nur gegen den mutmasslichen Todesschützen Fatih G. (45), sondern auch gegen die Mutter des gemeinsamen drei Monate alten Babys sowie dessen Patentante ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Mord. Das bestätigte die Behörde auf Anfrage der Bild.
Jörn Hüneke/DPA/Keystone
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft richtet sich das Verfahren derzeit gegen alle drei Tatverdächtigen. Ob und gegen wen später Anklage erhoben werde, könne erst nach Abschluss der Ermittlungen entschieden werden. Die Tatbeteiligung der beiden Frauen sowie die genauen Abläufe und Hintergründe seien Gegenstand der laufenden Untersuchungen. Als dringend tatverdächtig gilt bislang jedoch allein der 45-jährige Schütze, gegen den bereits Haftbefehl erlassen wurde.
Der Mann soll am Montag während eines Gesprächs über das Sorgerecht für seine Tochter in der Mutter-Kind-Einrichtung das Feuer eröffnet und sechs Menschen getötet haben. Anschliessend flüchtete er in einem Fahrzeug, das nach bisherigen Erkenntnissen von der Patentante des Babys gelenkt wurde. Die 65-Jährige ist laut dem Bericht die Schwiegermutter des niedersächsischen Landesbeauftragten für Migration, Deniz Kurku (SPD). Bereits drei Tage vor der Tat soll sie ein 20-seitiges Schreiben zum Sorgerechtsstreit an mehrere Medien verschickt haben.
Unterdessen wurde das persönliche Ausmass der Tat bekannt. Zwei Kinder im Alter von drei und vier Jahren verloren innerhalb weniger Wochen beide Eltern. Ihr Vater war bereits Anfang Juni gestorben, ihre 32-jährige Mutter wurde bei dem Angriff erschossen. Für die Geschwister wurde eine Spendenaktion gestartet, die nach Angaben der Initiatoren bereits mehr als 600.000 Euro eingebracht hat.