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Europas Ende

Im irischen Südwesten findet man majestätische Kulissen, unberührte Natur, unbarmherzige Wetterbedingungen, stolze Einwohner und Pubs, die aus allen Nähten platzen.
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Die Destination Irland ist keiner dieser Orte, für die es ein Handbuch benötigt. Im Auto findet man das Lenkrad auf der verkehrten Seite, das auf der Insel gesprochene irische Englisch klingt ebenfalls leicht verkehrt, und das Wetter auf der Insel ist so unberechenbar wie dessen Ruf, sodass man nicht darum herumkommt, ausreichend Raum im Reiseprogramm zu lassen für Flexibilität, Ausweichmanöver und Spontaneität (um nicht zu sagen: Kapitulation).

Am Ende Europas: 1881 zerstörte ein Sturm den Leuchtturm auf dem Calf Rock vor Dursey Island.
Europas Ende
Am Ende Europas: 1881 zerstörte ein Sturm den Leuchtturm auf dem Calf Rock vor Dursey Island.

Mit diesem Wissen ausgerüstet, steigt man in Zürich ins Flugzeug und dreht in Cork noch am selben Morgen im Mietwagen das Radio an. Als Soundtrack für eine Reise durch den Südwesten Irlands – in diesem Fall die Grafschaften Cork und Kerry –, aber auch überall sonst auf der Insel, empfiehlt sich die Musik des Liedermachers Christy Moore. «Everybody needs a break / Climb a mountain or jump in a lake», reimt dieser in «Lisdoonvarna». Jeder braucht mal eine Pause, um auf einen Berg zu steigen oder in einen See zu springen. Diese Freude an den einfachen Dingen und am Alltäglichen macht, neben Whiskey und Bier, das Leben zwischen den Extremen an teilweise unwirtlichen Orten erträglicher. Besonders in diesem Land, das auf eine Vergangenheit zurückblickt, die voll ist von troubles – und damit ist nicht nur der sogenannte Nordirlandkonflikt gemeint. Vielmehr bildeten die grosse Hungersnot sowie unzählige Konflikte, Krawalle, Besatzungen und Kriege über die Jahrhunderte weniger die Ausnahme, sondern waren vielmehr irische Realität. Der Boden der Grünen Insel war nicht selten dunkelrot getränkt. Und die Strassen in den Städten geraten teilweise heute noch in Brand, wie das die Aktualität in Belfast gerade erst wieder auf traurige Art belegt hat.

Wie in einem Wes-Anderson-Film

Viel von dieser bewegten Vergangenheit zu erzählen hat auch Carina McNally. Als Guide entführt sie Touristen und Interessierte von der Halbinsel Beara nach Dursey Island – und dabei gleichzeitig in die faszinierende Geschichte ihrer geliebten Heimat. Wobei sie, die Mitglied der Beara Historical Society ist, den Fokus am liebsten auf ihr Lieblingsthema lenkt: auf die Welt der Mythen, Sagen, Legenden und Brauchtümer. «Auf Dursey findet man schichtenweise Spuren», erzählt Carina, «jene der Wikinger und der Menschen, die im Elisabethischen Zeitalter gelebt haben, aber auch solche aus prähistorischen und vorchristlichen Zeiten.»

Dursey Island erreicht man nur mit einer hellblauen Miniseilbahn, die anmutet wie aus einem Wes-Anderson-Film und die man mit einem leicht mulmigen Gefühl besteigt. Dass von verschiedenen Seiten stolz betont wird, dass es sich um die einzige Seilbahn in Europa handle, die über das offene Meer verkehre, hilft dabei wenig. Doch die Überfahrt ist kurz und äusserst lohnenswert. Jedem, der sich hierhin verirrt, ist zu raten, für die Erkundung von Dursey ein paar Stunden Zeit einzuplanen, am besten einen ganzen Tag.

«Kreise sind etwas sehr Heiliges», erzählt Carina. «Das glaubten auch die Heiden, deren Leben stark von Kreisen geprägt war.» So habe man bei Ausgrabungen im Zentrum von Steinkreisen öfter Quarzsteine gefunden. «Das Wort für Quarz war im Heidentum synonym mit dem Wort für Sonne», erklärt Carina. «Quarz wurde als Verbindung von unserer Welt und dem Jenseits betrachtet.» Steinkreise, hauptsächlich in der Bronzezeit zwischen 3000 bis 900 vor Christus angelegt, lassen sich auf Irland zu Hunderten finden, auch auf Beara gibt es einige. Wovon es hier aber ungleich mehr zu sehen gibt, sind Schafe. An den Küstengebieten auf Dursey weiden die zottigen Wesen mit ihren farbigen Markierungen an attraktivster Lage. Die meisten dürften bestens bekannt sein mit -Carina und deren Hund Ronnie, der benannt ist nach Ronnie Drew – der ehemalige Gitarrist und Sänger war Gründungsmitglied der Irish-Folk-Band The Dubliners («Dirty Old Town») und geniesst Kultstatus.

Weidende Schafe an der Südküste von Dursey Island im County Cork.

Auch Carina kennt hier alle. Die alte Dame, die nach ihrer Pensionierung eine Karriere als Model in Angriff genommen hat. Den Bauernsohn David, der gerade damit beschäftigt ist, vor seinem Landhaus einen kleinen coffee shop zu installieren. Oder jenen Schafhirten, der bereits in Frauenkleidern auf Dursey umherstolzierte, lange bevor die halbe Welt begann, Regenbogenflaggen zu schwenken. Carina kommt mit jedem ins Gespräch. Sie glaubt ganz offensichtlich nicht nur an haunted houses (die deutschen Übersetzungsversuche Spuk- oder Gespensterhaus würde sie bestimmt nicht akzeptieren), sondern auch an das Gute im Menschen – sowie an ein vereintes Irland. «Es wird passieren, auch wenn ich es wohl nicht mehr erleben werde», sagt sie mit grosser Bestimmtheit.

Charakterköpfe mit einer Million gesichtern

Zur anschliessenden Stärkung empfiehlt Carina eine Lobster-Roll vom Food-Truck direkt bei der Seilbahn, grosszügig zubereitet mit Knoblauchbutter. Danach offeriert sie eine Tasse Filterkaffee in ihrer Wohnung, die gleich ums Eck liegt. Dort zeichnet sie ein paar Punkte auf der Landkarte ein, die es keinesfalls zu verpassen gelte, etwa das tibetanische Buddhistenzentrum Dzogchen Beara mit seiner Gartenanlage oder Eyeries, ein pittoreskes Kaff an der Grenze der Grafschaften Cork und Kerry.

Von Carinas Zuhause ist es ein Katzensprung bis zum Hafen, an dem Dursey Boat Trips eine ganz andere, nicht weniger intensive Erkundung der Gegend erlauben. Am Hafen von Garnish verteilt Frank Sheehan Schwimmwesten und Überhosen. Der pensionierte Fischer sieht aus, als wäre er bei lebendigem Leib in Salz konserviert worden, oder liebevoller ausgedrückt: Sein Aussehen verbirgt nicht, dass er sein ganzes Leben an und auf dem Meer verbracht hat. Frank spricht ein für ungeübte Ohren nur im Ansatz verständliches Englisch. Doch das ist kein Problem. Denn lieber als selber zu reden, lässt er die beiden Heckmotoren seines Schlauchboots sprechen, auf dem er mit seinen Passagieren ins Meer hinausdonnert, hinaus zu den drei Felsen namens Bull, Cow and Calf, die vor der Küste von Dursey aus dem kalten Wasser ragen.

Wobei es der Begriff «Felsen» nicht wirklich trifft. Vielmehr sind die drei steinigen, unbewohnten Inselchen wahrhaftige Charakterköpfe mit einer Million Gesichtern und einer stetig auf Sonne und Wetter reagierenden Mimik. Ehrfürchtig legt man den Kopf in den Nacken und schaut zu, wie Heerscharen von Basstölpeln unaufhaltsam in den Himmel steigen, um sich dann wieder senkrecht ins Meer zu stürzen. Bull Rock zieht zahlreiche Vogelarten an, Eissturmvögel, Dreizehenmöwen, Sturmschwalben, Tordalke, Trottellummen, Papageitaucher. Zudem würde man öfter Delfinen und Walen begegnen, erzählt Frank und steuert direkt auf den mächtigen Tunnel zu, der mitten durch Bull Rock hindurchführt. Dabei kommen einem die Worte von Carina McNally in den Sinn, die erzählte, dass dieser Tunnel in der irischen Mythologie als Portal zur Unterwelt beschrieben wird, zu dem unsere Seelen nach dem Tod reisen.

Dursey ist, da muss man Carina am Ende des Tages beipflichten, ein magischer Ort, noch und nöcher durchdrungen von Geschichten und Geschichte. Diese kleine Insel, so viel Urteil legitimiert auch eine kurze Visite, hat eine Tiefe zu bieten, die den geistigen und spirituellen Horizont auf ähnliche Weise auszudehnen vermag, wie das Betrachten ihrer rauen Küsten- und Hügellandschaften den Blick weitet.

Möge das Marketing mit dir sein!

Sollte bei der Lektüre dieses Reiseberichts bis hierhin sowie beim Betrachten der Fotografien auf diesen Seiten der Eindruck entstanden sein, dass man im südwestlichen Irland mutterseelenallein unterwegs ist, gilt es diese Vorstellung hiermit zu zerschlagen. Irland ist – das legt bereits der dreiblättrige Shamrock, das inoffizielle Nationalsymbol, nahe – eben kein seltenes vierblättriges Kleeblatt. Besonders im überaus beliebten County Kerry, wo sich auch der berühmte Ring of Kerry befindet, wimmelt es an gewissen Orten von Motorrädern, Reisecars und Wohnmobilen. Dies gesagt, war der Zeitraum des Besuchs Ende Mai perfekt getimt. Eng wurde es in den Pubs von Cork, Kenmare, Portmagee und vor allem in Killarney immer – auf den Strassen hingegen selten.

Luftaufnahme des am Ring of Kerry gelegenen Küstengebiets um Sneem.

Beim Ring of Kerry, übrigens, handelt es sich um eine kreisrunde Strasse, die einmal der Küste entlang um die Iveragh-Halbinsel führt. Wer sie als Rundrennstrecke versteht, wird für die Fahrt vielleicht drei Stunden benötigen, hat aber natürlich nicht begriffen, worum es geht. Gerade im Frühling, wenn der Rhododendron violett aufblüht, fühlt sich der Weg etappenweise an wie die Fahrt mitten durch ein Feuerwerk. Wobei es zu sagen gilt, dass die im 18. Jahrhundert als Zierpflanze eingeführte Art hochgradig invasiv ist. Aufgrund des mild-feuchten Klimas und der sauren Böden breitet sie sich massiv aus, verdrängt dabei einheimische Pflanzen und schadet der Artenvielfalt. Irland und seine troubles – nicht einmal die Flora bleibt offenbar von diesen verschont.

Mancherorts fühlt man sich, besonders in Momenten, in denen sich die Sonne zeigt, wie in der Karibik. So zum Beispiel an der Atlantikbucht Kenmare Bay. Und Sandstrände wie Glanleam Beach auf Valentia Island eignen sich ausgezeichnet für ein Kaltbad. Spannend ist auch zu sehen, dass es entlang dem Wild Atlantic Way – der Ring of Kerry ist über weite Strecken Teil dieser 2500 Kilometer langen Küstenstrasse, die der gesamten irischen Westküste entlangführt – teilweise sogenannte gemässigte Regenwälder gibt. Die von Touristen stark frequentierten Torc-Wasserfälle im Killarney National Park etwa befinden sich mitten in einer Art friedlichem irischem Dschungel voller moosbewachsener Bäume und Steine.

Die Passstrasse vorbei am Aussichtspunkt Ladies’ View auf halber Distanz zwischen Kenmare und Portmagee ist auch bei Motorradfahrern beliebt.

Ein weiteres Naturspektakel, bei dem zwei andere der Hauptinsel vorgelagerte Inseln im Zentrum stehen, bietet der Besuch der Skellig Rocks. Der Weg dorthin im Schlauchboot führt von Portmagee rund zwölf Kilometer schnurgerade ins offene Meer hinaus. Auf Little Skellig, dem kleineren der beiden Felsen, brüten über 30 000 Basstölpelpärchen. Der Vogel ist monogam und sehr loyal; Paare bleiben sich in der Regel ein Leben lang treu. Auf Skellig Michael wiederum, dem grösseren und bekannteren Felsen, lebten zwischen dem 6. und 13. Jahrhundert frühchristliche Mönche. Diese errichteten hier, am Rand der ihnen bekannten Welt, Steinhütten in traditioneller irischer Trockenbauweise und schlugen Terrassen und Tausende von Treppenstufen in den harten Stein. «Die Klosteranlage ist ein aussergewöhnliches Zeugnis für die Kraft des Glaubens und die Hingabe an Gott», schreit der Guide über den Lärm von Motor und Gischt hinweg. Denkt man daran, wie viele Touristen hierherkommen, um diesen Felsen zu sehen, den sie aus den letzten drei Episoden der «Star Wars»-Saga kennen, denkt man sich: was für ein aussergewöhnliches Zeugnis für die Kraft des Storytellings im Sinn des lokalen Tourismus. Wenn schon das Wetter nicht immer macht, was man möchte, nimmt man das Schicksal eben in seine eigenen Hände. Möge das Marketing mit dir sein, liebes Irland!

Hunderttausend Mal willkommen

Céad míle fáilte, hunderttausend Mal willkommen. So wird man in Irland gerne und oft begrüsst. Der keltische Ausspruch ist keine hohle Phrase, sondern ein Teil der Identität und des irischen Selbstverständnisses, der von der Bevölkerung aktiv gelebt wird, und zwar from Malin to Mizen, wie man hier sagt, also landauf, landab. Es mag keine südländische Herzlichkeit sein, die einem entgegenschwappt, das nicht. Aber doch eine charmante Wärme, begleitet von Offenheit, viel Humor und einem nicht gespielten Interesse am fremden Besuch, den man sich von jeher gewohnt ist.

Wie stolz die irische Bevölkerung auf ihr Land, vor allem jedoch auf ihre persönliche Geschichte, ihre Wurzeln, ihre Tätigkeit und ihr jeweiliges Zuhause ist, spürt man besonders, wenn man Menschen wie John -Murphy begegnet. Der ehemalige Ingenieuroffizier bei den Irischen Streitkräften ist in Portmagee gemeinsam mit seinem Bruder dabei, auf dem Grundstück, das der Familie seit sechs Generationen gehört, einen Whiskybrand zu etablieren. Eine eigene Brennblase wolle man sich nächstes Jahr anschaffen, aber bereits heute belebt Portmagee Whiskey mit Events und «Experiences» aktiv die lokale Community. Im Besucherzentrum etwa ist ein riesiges restauriertes «Seine boat» ausgestellt. Das traditionelle Fischerboot der Grafschaft Kerry ziert nicht nur das Label des Whiskeys – mit solchen werden hier nach wie vor auch Ruderrennen ausgetragen. Ist Whiskey ein Teil des ökonomischen Rückgrats des Landes? John Murphy verneint. Der Bereich sei zwar im Wachstum begriffen, nachdem die Branche vor einigen Jahrzehnten fast am Boden lag – in den sechziger Jahren waren gerade mal noch drei Destillerien aktiv. Trotzdem, so Murphy, laute die Erfolgsformel für die irische Wirtschaft heute anders, nämlich: «Farmers and pharma!»

Ein Gespür für die Herzlichkeit Irlands erhält man auch im Gespräch mit der Touristenführerin Marisol in Cobh. Die Venezolanerin ist vor über zehn Jahren nach Irland gekommen und denkt nicht daran, wieder heimzukehren. Lieber führt sie einen durch ihren Wohnort und erzählt die immergleichen Anekdoten – über die bunte Häuserzeile «Deck of Cards», die ein beliebtes Fotosujet ist; über die neugotische Kathedrale, in der Marmor aus Cork, Connemara, Midleton und sogar Carrara verbaut wurden; über die Jahre 1912 und 1915, als die «Titanic» und die «Lusitania» hier anlegten; über die hundert Kreuzfahrtschiffe, die hier heute im Jahr Halt machen; und über die solidarische Natur ihrer weltoffenen -Wahlheimat. «Am Hafen wehen die Flaggen der Nationen, von denen wir am meisten Besuch erhalten», erklärt Marisol. «Hinzu kommen die ukrainische und die Pride-Flagge.» Die Population in dieser Ecke Irlands habe sich mancherorts durch die Aufnahme ukrainischer Flüchtlinge seit Kriegsbeginn verdoppelt.

Mutter aller Pubs

Und lokalen Köchen wie Brian Murray wiederum ist es zu verdanken, dass man hierzulande auch kulinarisch positiv überrascht wird. Man kann es leider nicht anders sagen, aber das Angebot und die Qualität der Speisen sind vielerorts eher, nun ja, unbefriedigend. Es grassiert ein Mangel an Ideen, und es mangelt an einer kulinarischen Tradition. Irland ist darum weitgehend ein Paradies für Freunde von frittiertem Soulfood. Auch darum ist eine Reise entlang der Küste, wo es oft Fisch und Meeresfrüchte in herausragender Qualität gibt, eine gute Idee. Und auch das für seine herausragende Aromatik bekannte Irish Beef schmeckt vielerorts ausgezeichnet. So hinterlässt etwa das feinfaserige, zehn Unzen schwere Rib-Eye in Prime-Hereford-Qualität, das im «Kenmare Bay Hotel» auf dem Holzkohlegrill zubereitet wird, einen bleibenden Eindruck.

Küchenchef Brian Murray legt in seinem Restaurant «The Glass Curtain» in Cork den Fokus auf saisonale, ultralokale Zutaten.

Genauso wie eben eine Mahlzeit beim erwähnten Brian Murray. Der Küchenchef und Inhaber des Restaurants «The Glass Curtain» in Cork hat lange in Dubai gearbeitet. Er vereint Talent und eine persönliche Handschrift und verwendet nur beste lokale Ware. Murray bezieht das Frühlingslamm von Murphy’s, erhält seine Schalentiere von Glenmar und setzt auf den Käse von «The Lost Valley Dairy» in der Nähe von Inchigeelagh, wo primär zwei Sorten hergestellt werden: der dem Tomme nicht unähnliche, halbharte Carraignamuc und der aus gemahlenem Käsebruch gefertigte, gepresste Sobhriste. Selbstverständlich besucht Murray auch regelmässig den English Market, eine kulinarische Institution im Zentrum von Cork. Der Familienbetrieb The Roughty Foodie bietet dort seit drei Generationen ausgewählte Qualitätsprodukte Irlands feil, von Cheddar über Curds und Honig bis zu frischen Früchten und Gemüsen. Am Stand von Omahony’s Family Butchers wetzt ein muskelbepackter Hüne täglich seine Fleischermesser. Und bei Ballycotton Seafood liegen prächtige John-Dory-Exemplare und andere frische Fische auf Eis, bis sie von Menschen wie Brian Murray geschnappt wird.

Ein Dinner im «Glass Curtain» ist ein Highlight bei einem Besuch der «Rebel City». Cork bezeichnet sich gerne und ohne einen Hauch von Ironie als Irlands «wahre Hauptstadt». Insbesondere kulturell hat der Ort viel zu bieten, und vom 2020 eröffneten trendigen Hotel «The Dean» ist es nicht weit bis zu den lokalen Pubs für eine Trad-Musik-Session. Apropos Pubs: Hat man eines gesehen, hat man sie alle gesehen – könnte man meinen. Doch dann betritt man die Pforte von «J. M. Reidy’s» in Killarney. Hinter diesem Namen verbirgt sich so etwas wie die Mutter aller Pubs. Ein Ort, der auf ähnliche Weise wie der Tunnel im Bull Rock Seelen magisch anzuziehen vermag. Mehrere Gebäude, Gänge, Innenhöfe, Räume und Nischen sind hier auf labyrinthartige Weise miteinander verbunden. An jeder Ecke, in jedem Séparée, auf jedem Barhocker und an jeder Wand wird gelacht, getrunken, getanzt, geflirtet, gesungen und gejohlt. Und so hebt man hier am Ende irgendwo in diesem feuchtesten aller irischen Feuchtgebiete das Glas auf die Trad-Musiker, die gerade «Star of the County Down» zum Besten geben, und sagt hunderttausend Mal auf Wiedersehen.

Bilder: Nico Schaerer

Dieser Text erschien im WW Magazin vom 24. Juni 2026.

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