Neue Kernkraftwerke wären in der Schweiz unter den heutigen wirtschaftlichen Bedingungen nicht rentabel. Zu diesem Schluss kommt eine gemeinsame Studie der ETH Zürich und des Paul-Scherrer-Instituts. Demnach könnten sich neue Reaktoren nur dann wirtschaftlich lohnen, wenn der Staat die Kernenergie ähnlich fördert wie erneuerbare Energien, einen Teil der finanziellen Risiken übernimmt und die Baukosten deutlich tiefer ausfallen als bei aktuellen Projekten in Europa und den USA.
Gaetan Bally/Keystone
Die Untersuchung wurde von neunzehn Forschern erstellt und stützt sich auf vier voneinander unabhängige Energiemodelle für das Jahr 2050. Die Modelle berechnen, wie die Schweiz ihren künftig steigenden Strombedarf möglichst kostengünstig und klimaneutral decken könnte. Alle vier kommen zum Schluss, dass neue Kernkraftwerke unter den heutigen politischen und finanziellen Rahmenbedingungen gegenüber anderen Technologien nicht wettbewerbsfähig sind. Der Grund dafür sind vor allem die hohen Investitionskosten und das finanzielle Risiko grosser Bauprojekte.
Nach den Berechnungen wären neue AKW selbst dann meist nicht rentabel, wenn der Staat sie subventionieren und die Finanzierungskosten senken würde. Bei Baukosten von rund 12.000 Franken pro Kilowatt installierter Leistung – wie sie derzeit bei Neubauten in Europa und den USA anfallen – lohnt sich ein Neubau in drei der vier Modelle nicht. Erst bei deutlich tieferen Baukosten zwischen rund 5000 und 8000 Franken pro Kilowatt könnten neue Reaktoren wirtschaftlich werden. Zudem müsste der Staat Garantien oder andere Instrumente bereitstellen, um das Risiko für Investoren zu reduzieren.
Gleichzeitig kommt die Studie zum Schluss, dass die Schweiz ihre Klimaziele bis 2050 auch ohne neue Kernkraftwerke erreichen kann. Voraussetzung dafür sind ein weiterer Ausbau der Fotovoltaik, der Wasserkraft, der Windenergie und verschiedener Speichertechnologien. Allerdings bliebe die Schweiz auch dann im Winter auf Stromimporte angewiesen. Neue Kernkraftwerke könnten diese Importe je nach Modell zwar um ein bis sechs Terawattstunden pro Winter senken, sie aber nicht vollständig ersetzen. Selbst mit neuen AKW blieben Solarenergie und Wasserkraft das Rückgrat der künftigen Stromversorgung, während ein funktionierender Stromhandel mit den Nachbarstaaten weiterhin als unverzichtbar gilt.