Die Ukraine wird nach Einschätzung des ukrainischen Geheimdienstchefs Kyrylo Budanow ihren Arbeitskräftemangel ohne Zuwanderung nicht bewältigen können. Neben der Rückkehr von Millionen ins Ausland geflüchteter Ukrainer müsse das Land künftig auch qualifizierte Fachkräfte aus anderen Teilen der Welt anwerben. «Es wird keine andere Option geben», sagte Budanow bei einem Auftritt an der Nationalen Universität Kiew-Mohyla.
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Als Grund nannte der Leiter des militärischen Nachrichtendienstes HUR die dramatische demografische Entwicklung. Mitte der 1990er Jahre habe die Ukraine noch rund 52 Millionen Einwohner gezählt, heute seien es «deutlich weniger». Der Arbeitskräftemangel sei bereits während des Krieges spürbar und lasse sich nicht allein durch eine höhere Produktivität ausgleichen. Nach Angaben des ukrainischen Menschenrechtsbeauftragten Dmytro Lubinez leben zurzeit mehr als 5,7 Millionen Ukrainer infolge des russischen Angriffs im Ausland.
Budanow sprach sich deshalb für eine Doppelstrategie aus: Einerseits müsse die Ukraine ihre Bürger zur Rückkehr bewegen, andererseits gezielt ausländische Fachkräfte gewinnen. Voraussetzung dafür seien wirtschaftliche Perspektiven und ein Gefühl der Sicherheit. Nur unter diesen Bedingungen könne sich die Bevölkerungsentwicklung langfristig wieder erholen.
Zugleich wies Budanow Berichte über eine angebliche Masseneinwanderung in die Ukraine zurück. Entsprechende Meldungen bezeichnete er als Teil einer Desinformationskampagne. Tatsächlich leben nach Angaben des Präsidenten des ukrainischen Verbands internationaler Arbeitsvermittler zurzeit etwas mehr als 11.000 Arbeitsmigranten in der Ukraine. Insgesamt halten sich nach Schätzungen rund 200.000 bis 250.000 Ausländer im von der Regierung kontrollierten Staatsgebiet auf.
Parallel dazu plant die ukrainische Regierung, die Rekrutierung ausländischer Staatsangehöriger für die Streitkräfte auszuweiten. Nach Angaben von Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow sollen künftig 30 bis 50 Prozent der Sturm- und Infanterieeinheiten mit ausländischen Freiwilligen besetzt werden.