Die Europäische Union verschiebt die Einführung ihres neuen elektronischen Reisegenehmigungssystems Etias voraussichtlich auf das kommende Jahr. Das bestätigte die EU-Agentur EU-Lisa indirekt nach Beratungen ihres Verwaltungsrats, berichtet die Financial Times. Die ursprünglich bis Ende 2026 geplante Einführung gilt nach Angaben mehrerer mit den Gesprächen vertrauter Personen als nicht mehr realistisch.
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Etias soll künftig für rund 1,4 Milliarden visumbefreite Reisende gelten – darunter Bürger aus Grossbritannien, den USA und weiteren Drittstaaten. Vor der Einreise in den Schengen-Raum müssen sie online eine Reisegenehmigung beantragen, Sicherheitsangaben machen und eine Gebühr von 20 Euro entrichten. Das System orientiert sich am amerikanischen Esta-Verfahren und soll Sicherheitskontrollen bereits vor Reiseantritt ermöglichen.
Auslöser der erneuten Verzögerung sind anhaltende Probleme beim neuen Einreise-/Ausreisesystem EES, das seit seiner Einführung an mehreren EU-Aussengrenzen für lange Warteschlangen und technische Schwierigkeiten sorgt. Das System erfasst Fingerabdrücke und Gesichtsbilder von Drittstaatsangehörigen bei der Ein- und Ausreise. Vertreter der Luftfahrtbranche warnten zuletzt vor erheblichen Beeinträchtigungen im Reiseverkehr während der Sommermonate.
Nach Angaben aus dem Umfeld der Beratungen bestehen auch bei Etias noch technische Probleme. Mehrere Beteiligte plädieren deshalb dafür, zunächst das EES zu stabilisieren, bevor ein weiteres digitales Grenzsystem in Betrieb genommen wird. Der Verwaltungsrat von EU-Lisa will sich im September erneut mit einem überarbeiteten Zeitplan befassen.
Die Europäische Kommission entscheidet letztlich über den Starttermin. Voraussetzung ist jedoch, dass EU-Lisa sämtliche Tests erfolgreich abschliesst. Ein Kommissionssprecher erklärte, die Vorbereitungen liefen weiter. Der Zeitpunkt der Einführung hänge von zahlreichen technischen und operativen Faktoren ab.
Bereits das Einreise-/Ausreisesystem hätte ursprünglich 2022 starten sollen. Beschaffungsprobleme, technische Schwierigkeiten und Verzögerungen in mehreren Mitgliedstaaten hatten den Zeitplan jedoch mehrfach nach hinten verschoben.