Der Anteil der Gefängnisinsassen ohne deutsche Staatsbürgerschaft ist in Deutschland auf 44,8 Prozent gestiegen. Das geht aus einer Auswertung der Neuen Osnabrücker Zeitung hervor, die auf Daten aller 16 Landesjustizministerien beruht. Demnach sassen zum Stichtag im März 2026 insgesamt 60.408 Menschen in deutschen Haftanstalten, darunter mehr als 27.000 ausländische oder staatenlose Gefangene. Personen mit doppelter Staatsbürgerschaft werden in der Statistik als Deutsche erfasst.
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Damit setzt sich ein langjähriger Trend fort. Noch 2015 lag der Anteil nicht-deutscher Häftlinge bei etwas über 30 Prozent. Besonders hoch ist er in den Stadtstaaten Berlin mit 58,9 Prozent und Hamburg mit 57,95 Prozent sowie in Bayern, Baden-Württemberg und Hessen, wo jeweils mehr als die Hälfte der Gefängnisinsassen keinen deutschen Pass besitzt. Deutlich niedriger fallen die Werte in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Thüringen aus.
Der Bund der Strafvollzugsbediensteten warnt angesichts der Entwicklung vor wachsenden Problemen im Strafvollzug. Bundesvorsitzender René Müller erklärte gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung, Sprachbarrieren erschwerten den Kontakt zu den Gefangenen erheblich. «Die Kollegen können kaum noch resozialisieren, dringen immer schlechter zu den Insassen vor», sagte Müller. Gleichzeitig steige das Aggressionspotenzial, und es bildeten sich vermehrt abgeschottete Gruppen. Auch das Risiko einer Radikalisierung muslimischer Gefangener nehme zu.
Der Gewerkschaftschef fordert deshalb mehr Personal in den Justizvollzugsanstalten. Nur so könnten Gefangene besser betreut und problematische Gruppen getrennt werden. Es dürfe nicht dazu kommen, dass Häftlinge das Gefängnis krimineller verliessen, als sie es betreten hätten, warnte Müller.