Immer mehr anerkannte Kriegsdienstverweigerer in Deutschland widerrufen ihren früheren Entscheid. Im ersten Halbjahr 2026 gingen beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) bereits 402 entsprechende Verzichtserklärungen ein. Das geht aus Angaben der Behörde hervor, über die der Spiegel berichtet.
Setzt sich dieser Trend fort, dürfte 2026 einen neuen Höchststand erreichen. Zum Vergleich: 2023 registrierte das Bundesamt 536 Widerrufe, 2024 waren es 626 und 2025 bereits 781. Wer seine Kriegsdienstverweigerung zurückzieht, gilt rechtlich nicht mehr als Verweigerer und unterliegt im Fall einer Wiedereinführung der Wehrpflicht oder im Spannungs- beziehungsweise Verteidigungsfall wieder uneingeschränkt der Wehrpflicht. Das Zurückziehen der Erklärung erfolgt formlos mit einer unterschriebenen Mitteilung.
Michael Kappeler/DPA/Keystone
Parallel dazu steigt allerdings auch die Zahl der neuen Anträge auf Kriegsdienstverweigerung deutlich an. Nach Angaben des Bundesamts wurden im ersten Halbjahr 2026 bereits 5.862 Anträge registriert. 2025 waren es insgesamt 3.879, 2024 noch 2.249 und 2023 lediglich 1.079. Als Hintergrund gelten die verschärfte sicherheitspolitische Lage sowie die Debatte über eine mögliche Reaktivierung der Wehrpflicht.
Die Bundesregierung plant zunächst eine verpflichtende Musterung für junge Männer der Jahrgänge ab 2008, um mehr Freiwillige für die Bundeswehr zu gewinnen. Bis 2035 soll die Truppenstärke von derzeit rund 186.000 auf 260.000 Soldatinnen und Soldaten wachsen. Werden diese Ziele verfehlt, könnte der Bundestag eine sogenannte Bedarfswehrpflicht beschliessen. Die allgemeine Wehrpflicht ist seit 2011 ausgesetzt, bleibt jedoch im Grundgesetz verankert. Das Recht, den Kriegsdienst aus Gewissensgründen zu verweigern, besteht unabhängig davon fort.