Deutschlands Industrie ist für amerikanische Investoren zum begehrten Einkaufsziel geworden. US-Geldgeber übernehmen derzeit in grossem Stil deutsche Unternehmen oder beteiligen sich an ihnen – besonders gefragt sind spezialisierte Mittelständler, die in ihren Branchen oft zu den Weltmarktführern gehören. 2025 gab es 76 Übernahmen und Beteiligungen mit US-Beteiligung im deutschen Industrie- und Fertigungssektor. Das berichtet der Spiegel unter Berufung auf eine Auswertung des Finanzdatenanbieters Pitchbook für das Handelsblatt. Seit Beginn der Auswertung 2022 wurde kein höherer Wert verzeichnet.
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Dabei geht es um viel Geld: Die Geschäfte erreichten 2025 einen Gesamtwert von rund 29,5 Milliarden Dollar – fast doppelt so viel wie 2022. Und die Einkaufstour geht weiter: Bis zum 19. August dieses Jahres kamen bereits Transaktionen über 23,9 Milliarden Dollar hinzu. Ein prominentes Beispiel ist EBM-Papst. Der deutsche Ventilatorenhersteller wird für 5,4 Milliarden Dollar vom US-Unternehmen Madison Air übernommen.
Warum kaufen die Amerikaner gerade in Deutschland ein? Ein Grund ist das viele Kapital, über das US-Unternehmen verfügen. Die Entwicklung an den amerikanischen Börsen habe ihnen grosse finanzielle Polster verschafft, erklärt der Ökonom Jacob Funk Kirkegaard vom Peterson Institute for International Economics. Gleichzeitig sind viele Unternehmen in den USA teuer bewertet. Wer nach günstigeren Übernahmezielen sucht, schaut deshalb verstärkt ins Ausland – und findet in Deutschland eine breite Auswahl erfolgreicher Industriebetriebe.
«Was in Deutschland besonders hervorsticht, ist die grosse Bandbreite hochspezialisierter mittelständischer Unternehmen, insbesondere in den Bereichen Industrie und Technologie», sagt Willi Westenberger vom US-Investor Carlyle. Viele dieser Firmen seien in ihren Märkten führend. Gerade dieses technische Know-how macht den deutschen Mittelstand für Käufer aus Übersee interessant.
Dass so viele Unternehmen überhaupt zum Verkauf stehen, hat allerdings noch einen anderen Grund: Viele deutsche Familienbetriebe haben Schwierigkeiten, einen Nachfolger zu finden. Gleichzeitig ist die frühere Skepsis gegenüber Finanzinvestoren geschrumpft. «Vor 25 Jahren kam es selten vor, an Private Equity zu verkaufen», sagt Michael Siefke vom US-Investor Bain Capital. Scheitere die Übergabe innerhalb der Familie, werde der Verkauf attraktiver: «Dann gebe ich es lieber in bessere Hände und bekomme einen guten Kaufpreis.»