Mit einem Vorstoss zur Begrenzung teurer Medikamententherapien für Hochbetagte hat der CDU-Politiker und Beauftragte für Sucht- und Drogenfragen der Bundesregierung, Hendrik Streeck, eine Welle der Empörung ausgelöst. In der Talksendung «Meinungsfreiheit» auf Welt TV regte der Mediziner an, klare Richtlinien zu entwickeln, wann welche Medikamente im Alter noch verordnet werden sollten. «Es gibt einfach Phasen im Leben, wo man bestimmte Medikamente auch nicht mehr einfach so benutzen sollte», so Streeck – und nannte explizit eine Krebstherapie bei einer 100-jährigen Patientin als Beispiel.
MICHAEL KAPPELER / KEYSTONE
Der Vorstoss traf laut der Süddeutschen Zeitung parteiübergreifend auf breiten Widerspruch. Ex-Gesundheitsminister Karl Lauterbach erklärte auf X: «Altersrationierung teurer Medikamente ist ethisch unhaltbar und unnötig.» Janosch Dahmen, gesundheitspolitischer Sprecher der Grünen, nannte Streecks Vorschlag «rechtlich, medizinisch und ökonomisch Unfug» und betonte, nicht das Alter, sondern die Nähe zum Lebensende müsse medizinisch relevant sein.
FDP-Vize Wolfgang Kubicki sprach von «kaltem Zynismus» und warnte: «Ein älterer Mensch hat genau denselben Anspruch auf eine gute medizinische Versorgung wie ein junger.» Auch die Deutsche Stiftung Patientenschutz verurteilte die Idee scharf. «Kosten und Alter dürfen keine Ausschlusskriterien sein», sagte Vorstand Eugen Brysch. Streeck solle sich stattdessen auf seine Kernaufgabe, die Drogenpolitik, konzentrieren.