Die Bundeswehr greift beim Umbau ihrer Streitkräfte zunehmend auf die Kampferfahrung der ukrainischen Armee zurück. General Christian Freuding, Inspekteur des Heeres, bezeichnete die ukrainischen Streitkräfte als «die kampferfahrensten» und aufgrund ihrer Grösse auch als «quantitativ die stärksten» in Europa. Dies berichtet die Financial Times.
MORITZ FRANKENBERG / KEYSTONE
Nach Angaben Freudings fliessen die Erfahrungen aus dem Ukraine-Krieg in Ausbildung, Beschaffung und Organisation der Bundeswehr ein. Das deutsche Verteidigungsministerium vereinbarte in diesem Jahr mit der Ukraine, erfahrene ukrainische Soldaten nach Deutschland zu entsenden, um Bundeswehrangehörige unter anderem im Einsatz von Drohnen und in der Abwehr unbemannter Systeme auszubilden. Mehrere Dutzend ukrainische Soldaten hätten bereits an entsprechenden Ausbildungsprogrammen teilgenommen.
Freuding erklärte, die Zusammenarbeit sei «äusserst wertvoll» und habe neue Erkenntnisse vermittelt, die ohne die Unterstützung der Ukraine nicht in gleicher Weise möglich gewesen wären. Zugleich sprach er von einer positiven Entwicklung für die Ukraine im Krieg. Das Land sei weiterhin in der Lage, seine Luftverteidigung aufrechtzuerhalten und mit weitreichenden Angriffen die russische Kriegsmaschinerie zu treffen.
Mit Blick auf die Rolle Deutschlands in der Nato betonte Freuding, die strategische Kultur des Landes habe sich grundlegend verändert. Als Beispiel nannte er die geplante Stationierung einer 5000 Soldaten starken Brigade in Litauen. Trotz der Diskussion über eine mögliche Verringerung der US-Militärpräsenz in Europa zeigte sich der General überzeugt, dass das transatlantische Bündnis im Ernstfall Bestand haben werde.