Der Bundesrat will den Unterricht einer zweiten Landessprache auf der Primarstufe gesetzlich verankern. Dies kündigte Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider am Freitag an. Damit reagiert die Landesregierung auf Bestrebungen mehrerer Deutschschweizer Kantone, den Französischunterricht von der Primarschule auf die Oberstufe zu verschieben.
Nach Ansicht des Bundesrats ist der frühe Unterricht einer zweiten Landessprache ein wichtiger Beitrag zum nationalen Zusammenhalt und zur wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Schweiz. Baume-Schneider verwies auf den Sprachenkompromiss von 2004 sowie das HarmoS-Konkordat. Darin hatten sich zahlreiche Kantone darauf verständigt, dass Schüler bereits in der Primarschule sowohl eine zweite Landessprache als auch Englisch lernen.
© KEYSTONE / PETER SCHNEIDER
Der Bundesrat sieht diese Vereinbarung durch die gegenwärtigen Reformpläne einzelner Kantone gefährdet. Deshalb hat er zwei Varianten für eine Änderung des Sprachengesetzes in die Vernehmlassung geschickt. Die erste Variante übernimmt die heutige HarmoS-Regelung ins Bundesrecht. Demnach müssten alle Kinder in der Schweiz bereits auf der Primarstufe zwei Fremdsprachen lernen, eine ab der 3. Klasse und die zweite ab der 5. Klasse.
Die zweite Variante räumt den Kantonen mehr Spielraum ein. Sie verpflichtet diese lediglich dazu, den Unterricht einer zweiten Landessprache auf der Primarstufe beginnen zu lassen und bis zum Ende der Sekundarstufe I fortzuführen. Der Zeitpunkt für die Einführung des Englischunterrichts könnte dabei kantonal geregelt werden.
Baume-Schneider betonte, die Bundesverfassung verpflichte den Bund dazu, den Zusammenhalt zwischen den Sprachregionen zu fördern. Künftig müssten nach den Plänen alle Kantone eine zweite Landessprache bereits auf der Primarstufe unterrichten, auch jene, die bislang kein Frühfranzösisch kennen.