Die Brandkatastrophe mit 41 Toten und 115 Verletzten von Crans-Montana in der Silvesternacht hat das Verhältnis zwischen der Schweiz und Italien strapaziert. Die Gehässigkeiten und Giftpfeile der italienischen Behörden, Politiker und Diplomaten in Richtung der Eidgenossenschaft hören bis heute nicht auf. Aktuell hat Italien angekündigt, dass eine Zivilklage im Fall von Crans-Montana eingereicht werde.
Es ist weniger die Klage selbst als die Begleitmusik, die einem zu denken gibt. Die Geschichte wird vorgetragen, als wäre es längst bewiesen, dass die Schlampereien bei den Brandschutzkontrollen der kantonalen und kommunalen Behörden mitverantwortlich sind für das Feuerinferno. Eilfertig werden demzufolge jetzt bereits Forderungen an die Schweiz gerichtet. Italien will Geld von uns, weil es für die Betreuung der traumatisierten Opfer selber auch Mittel und Zeit aufwendet.
Während Italiens Botschafter Gian Lorenzo Cornado in einem Interview mit dem Tages-Anzeiger wieder einmal die Eidgenossenschaft kritisiert. Er forderte mehr Menschlichkeit und weniger Bürokratie im Fall Crans-Montana, die moralische Verantwortung wiege schwer. Was im Ferien-Nobelort passiert ist, ist schlimm. Aber darf man deswegen das ganze Land unter Generalverdacht stellen? Sollen wir für die nächsten hundert Jahre in Sack und Asche gehen und täglich öffentlich Busse tun?
Das Verhalten Italiens im Zusammenhang mit der Brandkatastrophe von Crans-Montana ist irrational. Man hat den Eindruck, dass die Italiener jeden Tag nach einem Grund suchen, die Schweiz in ein schlechtes Licht zu rücken und den Konflikt immer wieder von neuem anzuheizen – mit haltlosen Anschuldigungen und groben Unterstellungen sowie moralisierenden Belehrungen und Äusserungen.
Dieses Zerwürfnis ist doch reichlich bizarr, zumal wir seit Jahren einen Aussenminister im Amt haben mit italienischen Wurzeln. Den italienischen Pass hat der Tessiner Ignazio Cassis erst kurz vor seiner Wahl in die Landesregierung abgegeben. Er pflegt als Aussenminister engste Beziehungen zu unseren südlichen Nachbarn. Gerne strich er in der Vergangenheit die kulturelle Nähe hervor und bezeichnete die Zusammenarbeit als exzellent und freundschaftlich. Zwischendurch lobte er die Kooperation mit den italienischen Aussenministern als pragmatisch, besonders bei der Lösung von Problemen.
Aber im Fall von Crans Montana ist es dem Tessiner bisher leider nicht gelungen, Italien davon zu überzeugen, den Ball etwas flacher zu halten. Schade.