Was kann einem Besseres passieren, als in einem behüteten Elternhaus aufzuwachsen, mit Intelligenz ausgestattet zu sein und eine weisse Hautfarbe zu haben? Im Zeitgeist-Neusprech nennt man diesen Hintergrund «privilegiert». Versehen mit Chancen, die viele nicht haben. Irgendwie fast schon unfair.
Den Briten Henry Nowak, der mit 18 Jahren in Southampton von einem indischstämmigen Angehörigen der Sikh-Gemeinschaft ermordet wurde, hat dieses «Privileg» nicht sehr weit gebracht. Die Polizei liess ihn nach einem Messerangriff auf offener Strasse und mit Handschellen verbluten, weil sie sich zuerst um den Rassismusverdacht gegen ihn kümmern wollte.
Gareth Fuller/AP/Keystone
Nowak wuchs mit britisch-polnischer Herkunft in einem kleinen Vorort nahe der Stadt Grays in der Grafschaft Essex auf als ältestes von vier Geschwistern. Kurz bevor er im Dezember 2025 ermordet wurde, hatte er ein Studium der Finanzwissenschaften an der Universität von Southampton begonnen. Als er die Zusage für den Studienplatz erhielt, habe er gestrahlt, gab seine Mutter nach der Tat bekannt. Mit Hilfe seines Vaters richtete er sein Zimmer in einer Uni-WG ein.
Er sei «prinzipientreu und vielversprechend» gewesen, sagte der Richter am Crown Court im Rahmen des Prozesses. Der begeisterte Fussballer spielte in zwei studentischen Teams. Nach seinem Tod wurde zu seinen Ehren ein Benefizspiel organisiert. Unter den 650 Aufnahmen von Henry Nowaks Smartphone finden sich Dokumente aus den letzten Minuten seines Lebens. Er nahm einen Clip für Snapchat auf. Den Auftritt seines späteren Mörders, der einen rituellen Dolch offen mit sich führte, kommentierte er mit «bad man», böser Mann. «I am a bad man», antwortete sein Gegenüber.
Wie «bad», das machte er unmittelbar danach klar. Der Angriff mit fünf Stichen, darunter dem tödlichen ins Herz, erfolgte unmittelbar danach, nachweislich ohne jede rassistische Provokation durch das Opfer. Das Gericht kam zum Schluss, dass es sich dabei um eine Schutzbehauptung handle.
Dass sich Henry Nowak in den letzten Minuten besonders privilegiert vorkam, ist nicht anzunehmen. Auch seine Familie und seine Mitstudenten werden sein gewaltsames Ableben nicht als Konsequenz eines Privilegs wahrnehmen. Im Gegenteil: Bei umgekehrter Rollenverteilung, mit dem Migranten als Opfer, wäre Hilfe wohl schnell vor Ort gewesen.