Der britische Premierminister Keir Starmer könnte bereits in den kommenden Tagen seinen Rückzug aus der Politik einleiten. Das berichten die Sonntagszeitung The Observer sowie weitere britische Medien. Demnach soll Starmer nach Gesprächen mit Ministern, Beratern und Gewerkschaftsführern zu dem Schluss gekommen sein, dass er sich politisch nicht mehr im Amt halten könne. Ein Regierungsvertreter wies die Berichte jedoch umgehend zurück und erklärte, der Premierminister konzentriere sich auf seine Amtsgeschäfte.
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Nach Angaben des Observer berät sich Starmer derzeit auf seinem Landsitz Chequers mit Vertrauten und seiner Ehefrau Victoria über das weitere Vorgehen. Führende Mitglieder der Labour-Partei rechnen dem Bericht zufolge damit, dass der Premier bereits am Montag eine Erklärung zu seiner politischen Zukunft abgeben könnte. Aus seinem Umfeld heisst es, Starmer wolle einen möglichen Führungswechsel so gestalten, dass kein Chaos in Regierung und Partei entsteht.
Die Spekulationen kommen zu einem Zeitpunkt, an dem der Druck auf den Regierungschef stark zugenommen hat. Zwei Jahre nach seinem Wahlsieg kämpft Starmer mit historisch schlechten Umfragewerten. Nach empfindlichen Verlusten bei den Kommunalwahlen im Mai sowie mehreren Rücktritten innerhalb seines Kabinetts wächst die Unzufriedenheit in der eigenen Partei. Mehr als 100 Labour-Abgeordnete – rund ein Viertel der Fraktion im Unterhaus – sollen ihn inzwischen zum Rücktritt oder zumindest zur Festlegung eines Zeitplans für seinen Abgang aufgefordert haben.
Zusätzliche Dynamik erhielt die Debatte durch den Erfolg von Andy Burnham. Der parteiinterne Rivale Starmers gewann bei einer Nachwahl im nordenglischen Wahlkreis Makerfield einen Sitz im Unterhaus und kann damit offiziell für den Labour-Vorsitz kandidieren. Burnham hatte bereits vor der Wahl angekündigt, die Parteiführung herausfordern zu wollen. Der frühere Labour-Innenminister Alan Johnson erklärte gegenüber dem Sender LBC mit Blick auf Starmer: «Ich würde sagen, es ist vorbei, Keir.»
Noch am Freitag hatte Starmer betont, er habe von den Wählern ein Mandat erhalten, «um Veränderungen herbeizuführen», und werde sich einem möglichen parteiinternen Machtkampf stellen. Die Zeitung The Times berichtete jedoch unter Berufung auf eine Quelle aus seinem Umfeld, intern sei seine Haltung deutlich «nuancierter» als in der Öffentlichkeit. Ob es tatsächlich zu einer Rücktrittsankündigung am Montag kommt, bleibt deshalb offen.