Das weltweit erste flächendeckende Social-Media-Verbot für Jugendliche unter 16 Jahren zeigt in Australien bislang kaum Wirkung. Das berichtet der Tages-Anzeiger unter Berufung auf eine im British Medical Journal veröffentlichte Studie australischer Forscher. Demnach nutzen viele Jugendliche Plattformen wie Instagram, Facebook und Tiktok trotz der gesetzlichen Altersgrenze nahezu unverändert weiter.
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Für die Studie wurden mehr als 400 Jugendliche vor und drei Monate nach Inkrafttreten des Verbots befragt. Die Forscher fanden keine ausreichenden Hinweise darauf, dass die neue Regelung das Nutzungsverhalten von Jugendlichen unter 16 Jahren nennenswert verändert hat. Lediglich bei den 14- bis 15-Jährigen ging die Nutzung leicht zurück, während sie bei den über 16-Jährigen sogar zunahm.
Als grösste Schwachstelle gilt die Alterskontrolle. Zwar mussten zwei Drittel der Jugendlichen eine Altersprüfung durchlaufen, ein amtlicher Ausweis wurde jedoch nur von einer Minderheit verlangt. Viele Minderjährige umgehen die Sperren mit Fake-Profilen oder Konten älterer Personen. Zwischen 15 und 19 Prozent der Befragten gaben an, ein erfundenes Profil zu nutzen. Weitere 3 Prozent verwenden ein virtuelles privates Netzwerk (VPN), um die Beschränkungen zu umgehen.
Die Ergebnisse befeuern auch die Debatte in der Schweiz. Zwar spricht sich laut Sotomo eine deutliche Mehrheit der Bevölkerung für ein Social-Media-Verbot unter 16 Jahren aus. Das Bundesamt für Sozialversicherungen, die Eidgenössische Kommission für Kinder- und Jugendfragen sowie Pro Juventute setzen stattdessen auf mehr Medienkompetenz und strengere Vorgaben für Plattformbetreiber. Verbote allein griffen zu kurz, argumentieren sie – eine Einschätzung, die durch die neuen Daten aus Australien gestützt wird.