Die Lieblingsfeinde der Journalisten wechseln im Laufe der Zeit. Mal sind die Männer toxisch, dann ist das Auto toxisch, dann ist der Rechtspopulismus toxisch. Der neueste Lieblingsfeind der Journalisten hat eine besondere Form der Toxizität. Es ist der Alkohol. Wenn man derzeit Medien konsumiert, sind schrille Warnungen vor dem Dämon Alkohol an der Tagesordnung. Schon ein einziges Glas, sagen die Medien, ist ein Glas zu viel und führt unweigerlich in den vorzeitigen und sicheren Tod. Kurt W. Zimmermann ist der Frage nachgegangen, wie die Anti-Alkohol-Kampagne geführt und von wem sie gesteuert wird. Er tut es auch mit einem Blick zurück. Als junger Journalist, unter anderem bei der Weltwoche, erlebte Zimmermann noch die Zeiten, als auf den Redaktionen am Nachmittag die Bierflaschen und Weissweingläser neben der Schreibmaschine standen. Und der Chefredaktor veredelte seinen Leitartikel mit Whisky aus der unteren Pultschublade. Tempi passati, heute ist die Branche weitgehend trockengelegt. Seite 12
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Als Ende Juli innert 48 Stunden 80 000 Migranten Ceuta stürmten, machte das Ereignis weltweit Schlagzeilen. Inzwischen ist die Medien-Karawane weitergezogen. Die Lage habe sich beruhigt – angeblich. Unser Reporter Urs Gehriger hat den Krisenherd besucht und entlarvt derlei Behauptungen als komplett falsch. Noch immer belagern rund 20 000 Migranten die spanische Exklave und warten auf Einlass nach Europa. Gehriger ist mit den jungen Völkerwanderern durch die Stadt im Ausnahmezustand gezogen und kommt zum Schluss: Das Drama von Ceuta steht für das Scheitern der Migrationspolitik ganz Europas. Seite 18
Es sind die vermeintlich kleinen Dinge, die die Schweiz gross und grossartig und unverwechselbar machen, ein Hotel etwa. 125 Jahre ist es alt, seit 100 Jahren im Familienbesitz der Richards. Es heisst «Parkhotel Bellevue» und liegt in Adelboden. Kult-Kolumnist Michael Bahnerth ist überzeugt: Götter würden dort logieren, wenn sie auf die Erde hinabstiegen und hienieden ein himmlisches Fest feierten. Das «Bellevue» widerstand all den Fährnissen der Zeit, es brannte nieder, eine Lawine drang in den Speisesaal, aber nichts und niemand vermochte dieser Trutzburg am Ende des Tales und doch mitten in der Welt den eleganten Glanz und die Aura der Zeitlosigkeit zu nehmen. Seite 26
Schönling Ben Affleck sollte man nie unterschätzen. Während die meisten Schauspieler die künstliche Intelligenz fürchten wie der Teufel das Weihwasser, hat der Hollywoodstar still und leise ein Unternehmen in dem Bereich aufgebaut – und es für fast 600 Millionen Dollar an Netflix verkauft. Affleck, der mit seinem Jugendfreund Matt Damon das Filmgeschäft seit Jahrzehnten prägt, glänzt auch sonst: Kürzlich gewann Hollywoods klügster Schauspieler sogar bei «Wer wird Millionär?». Seite 29

