Das Absingen der DDR-Hymne auf einer Veranstaltung der AfD in Sachsen-Anhalt war eine klitzekleine satirische Provokation des Kabarettisten Uwe Steimle. Sie gelang vorzüglich, denn in seinen Gesang stimmten viele Teilnehmer unverdrossen ein. Die entscheidende Frage ist, und sie entgeht all den aufgeregten Kommentierungen: Wieso waren so viele so textsicher?
In der DDR wurde die Hymne ab 1972 bis 1989 nur noch gespielt. Singen war unerwünscht. Das lag an der vierten Textzeile: «Deutschland, einig Vaterland», ein Ziel, von dem sich die SED verabschiedet hatte. Das machte den Hymnentext populär. Ihn gedanklich mitzusingen, war ein kleiner Akt des Widerstandes. Im Herbst des Jah ...