Deutschland will für fast zwölf Milliarden Euro ein neues Arsenal weitreichender Raketen aufbauen, das mögliche Angriffe Russlands abschrecken soll. Das geht laut Politico aus internen Unterlagen des Verteidigungsministeriums hervor. Ziel sei es, der Bundeswehr zu ermöglichen, militärische Ziele «weit im rückwärtigen Raum eines Gegners» zu treffen – mit konventionellen Waffen und damit unterhalb der nuklearen Schwelle.
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Geplant ist ein Mix aus günstigen Marschflugkörpern für den Masseneinsatz, amerikanischen Tomahawks und neuen europäischen Hochgeschwindigkeitswaffen. Bereits 2027 sollen erste kostengünstige Marschflugkörper einsatzbereit sein. Als Kandidaten nennen die Dokumente die Anthem-Rakete des US-israelischen Unternehmens Covenant Industries sowie die ukrainischen Systeme BARS und Flamingo. Mit zwei Anbietern laufen demnach bereits Vertragsgespräche.
Dahinter stehen Erfahrungen aus dem Ukraine-Krieg. Günstige Flugkörper könnten in grosser Zahl eingesetzt werden und gegnerische Luftabwehr durch Massenangriffe überlasten. Das Verteidigungsministerium hatte weitreichende Schläge gegen wichtige Ziele bereits im Juni als «unverzichtbar für eine glaubwürdige Abschreckung» bezeichnet.
Parallel setzt Berlin auf amerikanische Tomahawk-Marschflugkörper. Bundeskanzler Friedrich Merz hatte Anfang Juli im Bundestag erklärt, Deutschland habe sich mit Washington auf deren Beschaffung und Stationierung verständigt. Bis Ende des Jahrzehnts sollen laut den internen Papieren erste Typhon-Abschussanlagen mit Tomahawks einsatzfähig sein. Sie sollen eine strategische Lücke schliessen, bis eigene europäische Systeme verfügbar sind.
Gemeinsam mit Grossbritannien entwickelt Deutschland zudem einen neuen weitreichenden Marschflugkörper sowie eine Hyperschall-Gleitwaffe. Beide sollen Ziele in mehr als 2000 Kilometern Entfernung erreichen können und Mitte der 2030er Jahre einsatzbereit sein. Allein für Entwicklung und Beschaffung dieser Systeme sind knapp neun Milliarden Euro vorgesehen. Das Geld ist allerdings noch nicht bewilligt; der Bundestag muss den Vorhaben zustimmen.