In den Tamedia-Blättern schlagen Antoine Geinoz und Alexandre Papaux Alarm. Der Grund: Ein neues Sprachgesetz soll Freiburger Gemeinden die Zweisprachigkeit ermöglichen. Da gehe es um eine «Verdeutschschweizerung» des Kantons, behaupten die beiden. Geinoz war früher Generalsekretär der kantonalen Gesundheitsdirektion, Papaux amtete ehemals als Kantonsrichter. Sie bilden das Präsidium des kämpferischen Interessverbands Communauté du Pays de Fribourg.
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Schon als die Stadt Freiburg ein zweisprachiges Logo einführte, schrie die Spitze dieses Verbandes Zeter und Mordio. Die ehemals hochdotierten Kantonsangestellten scheinen eines zu vergessen: Die Stadt Freiburg ist seit weit über 800 Jahren zweisprachig. Sie wurde von Herzog Berchtold IV. von Zähringen als Bollwerk gegen den Druck der Savoyer aus dem Westen gegründet. Das Freiburgerdeutsch war einst weit stärker verbreitet, als es heute ist. Eine Tatsache, die aber längst der Vergangenheit angehört.
Der Aufschrei über die angebliche Drangsalierung der Schweizer Romands als Minderheit steht gerade den Freiburgern schlecht zu Gesicht. Denn dort ist es die deutschsprachige Minderheit, die sich seit Jahrzehnten, ja Jahrhunderten in der Defensive befindet. Heute ist gerade noch ein Viertel der Kantonsbewohner deutschsprachig. Wenn jetzt ein paar Gemeinden mit einer starken deutschsprachigen Minderheit die Zweisprachigkeit einführen, ist dies beileibe kein Weltuntergang. Vielmehr steht seit 1990 in der Kantonsverfassung, dass die beiden Sprachen gleichberechtig sind. Was allerdings an den Machtverhältnissen nichts ändert, wonach die Romands im Kanton eindeutig den Takt vorgeben.
Man darf bezweifeln, dass die Eidgenossen 1481 Stadt und Land Freiburg im Üechtland in ihren Bund aufgenommen hätten, wenn es sich um rein «burgundische Welsche» gehandelt hätte. Weil es aber dort – inklusive in der Hauptstadt – sehr viele «Alemannen» gab, wurde Freiburg damals tatsächlich schweizerisch. Wie die seitherige Historie gezeigt hat, keineswegs zu ihrem Nachteil.
Bei der Volkszählung von 1950 betrug der Anteil an Deutschfreiburgern im Kanton noch 33 Prozent. Heute sind es gerade noch 26 Prozent. Auch in der Stadt Freiburg ist das deutschsprachige Element eindeutig abnehmend. Dennoch behaupten die aktivistischen Romands Geinoz und Papaux unerschütterlich, Französisch sei eine Minderheitensprache, «die immer stärker unter Druck ist und die es zu schützen gilt».