Verteidigungsminister Boris Pistorius will notfalls Hunderte Bundeswehrsoldaten gegen ihren Willen nach Litauen versetzen, um die dort stationierte deutsche Panzerbrigade vollständig aufzustellen. Wie das Verteidigungsministerium laut Zeit mitteilte, sind bislang fast 80 Prozent der Stellen der Panzerbrigade 45 mit Freiwilligen besetzt. Für die verbleibenden Lücken könnten Soldaten künftig verpflichtend nach Litauen geschickt werden. «Einsatzbereitschaft geht im Zweifel vor Freiwilligkeit», erklärte das Ministerium.
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Betroffen wären einige Hundert Dienstposten im «mittleren dreistelligen Bereich». Besonders fehlen Logistiker und Fachkräfte für Informationstechnik. Seit Mai hätten sich zwar mehr als 2500 Soldaten freiwillig für einen Dienst in Litauen gemeldet. In Bereichen, in denen trotzdem Personal fehlt, prüft die Bundeswehr neben verpflichtenden Versetzungen auch kürzere Abkommandierungen, Rotationsmodelle und befristete Aufenthalte. Das Verteidigungsministerium betont zugleich, das Freiwilligkeitsprinzip bleibe grundsätzlich die «Handlungsmaxime».
Die Brigade ist ein zentrales Projekt der deutschen Nato-Strategie an der Ostflanke. Deutschland will erstmals dauerhaft einen eigenständig einsatzfähigen Kampfverband dieser Grössenordnung im Ausland stationieren. Die Bundesregierung begründet die dauerhafte Präsenz mit der Abschreckung Russlands und der Verteidigung des baltischen Nato-Mitglieds. Bis 2027 sollen rund 4800 Soldaten und 200 zivile Mitarbeiter in Litauen eingesetzt werden. Feste Standorte entstehen in Rudninkai und Rukla. Deutschland und Litauen hatten die Einzelheiten der Stationierung bereits 2024 in einem Regierungsabkommen geregelt.