Lima
Seit Wochen und Monaten überschlagen sich in Lateinamerika die Gerüchte um den angeblich unmittelbar bevorstehenden Einmarsch der US-Marines in Venezuela. Doch mit jedem Tag wird deutlicher: Trump will keine Invasion, der gewaltige militärische Aufmarsch (rund ein Viertel der US-Navy) in der Karibik soll das Narco-Regime in Caracas wirtschaftlich ruinieren.
Am Mittwoch kaperte und beschlagnahmte die US-Navy im Auftrag von Generalstaatsanwältin Pam Bondi den Supertanker «Skipper», der unter falscher guyanischer Flagge mit 1,8 Millionen Barrel Öl aus Venezuela in Richtung Kuba unterwegs war. Als Grund wurde nicht etwa Venezuela genannt, sondern der Iran bzw. die Hisbollah, die mit dem Schiff Sanktionen umgangen habe. Der 2005 gebaute Supertanker gehört der so genannten Schattenflotte an, welche das weltweite Embargo gegen Russland und den Iran systematisch unterlaufen. Bereits 2022 ordneten die USA die Beschlagnahmung des Supertankers an, der damals allerdings noch unter anderem Namen operierte.
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Gemäss der Nachrichtenagentur Reuters sind weltweit insgesamt 931 Öltanker von den USA zur Beschlagnahmung ausgeschrieben. 30 davon werden zur Zeit in Venezuela beladen. Wie der «Skipper» operieren sie in der Regel mit irreführenden GPS-Signalen unter falschen Namen und Flaggen, was ihre Ortung erschwert. Dank ihrer massiven Präsenz vor Venezuelas Küste ist es für die Amerikaner allerdings ein leichtes, die Tanker zu orten und zu konfiszieren.
Dass der «Skipper» nach Kuba unterwegs war, kam den Amis zweifellos gelegen. Die noch unter Hugo Chávez vertraglich vereinbarten, weitgehend kostenfreien Öllieferungen sind für das kommunistische Regime in Havanna von existentieller Bedeutung. Seit Monaten fällt in Kuba wegen Treibstoffmangels fast täglich der Strom aus. Venezuela kann nicht mehr genug Öl liefern, die mexikanische Pemex, die zeitweise grosszügig in die Lücke sprang, ist hoffnungslos überschuldet.
Die Abhängigkeit zwischen Kuba und Venezuela beruht auf Gegenseitigkeit. Weil das Maduro-Regime seinen eigenen Militärs nicht traut, hat es die Schlüsselstellen im Repressionsapparat und in der Armee mit kubanischen, nach den Methoden des KGB geschulten Emissären besetzt. Ohne das Plazet aus Havanna läuft in Caracas nichts. Wenn Kuba fällt, fällt auch Venezuela – und umgekehrt.
Mit der Beschlagnahmung der «Skipper» trifft die USA zwei Fliegen auf einen Schlag. Zugleich ist es eine Warnung an die anderen 30 Tanker der Schattenflotte in Venezuela: Sie sollten besser im Hafen bleiben. Nachdem Trump den Luftraum über Venezuela faktisch gesperrt hat, zieht sich die Schlinge nun auch auf dem Meer zusammen. Allerdings nicht für alle. Der US-Multi Chevron, der offiziell rund einem Viertel der Erdölförderung Venezuelas kontrolliert, exportiert nach wie vor täglich rund 150 000 Barrel Rohöl pro Tag in die USA. Doch die Erlöse dürfen nur für den Import humanitärer Güter verwendet werden, welche der Bevölkerung Venezuelas direkt zugute kommen. Das Regime hat nichts davon, es füllt seine Taschen mit den verdeckten Öl- und Drogen-Exporten.
Trump-Kritiker weisen zurecht darauf hin, dass nur ein kleiner Teil des Kokains auf dem amerikanischen Markt via Venezuela ins Land gelangen. Der grösste Teil der Drogenexporte Venezuelas geht nach Europa. Was sie übersehen: Für die Vereinigten Staaten mag Venezuela nicht so wichtig sein, aber für die mit dem Regime verbandelten Kokain-Mafias ist das Transitgeschäft von existentieller Bedeutung. Und dieses ist mit den medienwirksam inszenierten Sprengungen der Drogenboote samt Besatzung praktisch zum Erliegen gekommen.
Nachdem Trump bereits das Milliardengeschäft mit der illegalen Migration gestoppt und die Venezuela-Route für Kokain blockiert hat, legt er nun das klandestine Ölgeschäft trocken. Wenn es den Amerikanern gelingt, Maduros Seilschaften über ihre kriminellen Geschäfte auszuhungern, sind deren Tage gezählt. Denn aus Idealismus folgt schon lange kein Mensch mehr diesem Regime, das allein auf Terror und Bestechung baut. In diesem Fall hätte sich der Militär-Aufmarsch in der Karibik gelohnt. Und Grossmaul Trump hätte sie alle an der Nase herumgeführt, nicht zum ersten Mal.