Der Arbeitnehmerflügel der CDU fordert nach drei verlorenen Landtagswahlen eine grundlegende Reform der Partei und stellt ihrer Führung ein vernichtendes Zeugnis aus. «Wir werden unserem Anspruch, Volkspartei zu sein, nicht mehr gerecht», heisst es in einem Strategiepapier der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), das der Welt vorliegt. Nach dem erstmaligen Ausscheiden der CDU aus einem Landtag in Mecklenburg-Vorpommern dürfe niemand zur Tagesordnung übergehen: «Wer jetzt den Wecker nicht gehört hat, verschläft die Zukunftsfähigkeit unserer Partei.»
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Die CDA sieht die Ursache der Krise nicht allein in der Politik von Bundeskanzler und Parteichef Friedrich Merz. Die CDU habe über Jahre die Verbindung zu grossen Teilen der Bevölkerung verloren. «Zu viele gesellschaftliche Gruppen kommen in der Union kaum noch vor; zu viele Menschen erleben sie nicht mehr als ihre politische Heimat», heisst es. Die Partei sei «weder eine FDP light noch eine einzig konservative Partei».
Konkret verlangt der Arbeitnehmerflügel, Beschäftigte aus Industrie, Handwerk, Pflege, Bildung und Mittelstand bei Kandidaturen stärker zu berücksichtigen. Auch CDA, Mittelstandsvereinigung, Junge Union und Frauen Union sollen früher in strategische Entscheidungen einbezogen werden. Zudem sollen digitale und hybride Sitzungen sowie verbindliche Anfangs- und Endzeiten die Mitarbeit für Menschen ausserhalb des Politikbetriebs erleichtern.
Der Reformdruck zeigt sich auch bei den Mitgliederzahlen. 1990 zählte die CDU noch 789.609 Mitglieder, 2025 waren es 356.769 – ein Rückgang um mehr als 55 Prozent. Besonders schwach ist die Parteibasis inzwischen in Teilen Ostdeutschlands. Die CDA fordert deshalb neue Formen der Mitgliederwerbung und mehr Beteiligungsmöglichkeiten. Ihr Befund: «Eine Volkspartei, die nur noch mit sich selbst spricht, hört auf, Volkspartei zu sein.»