Der russische Ökonom Andrei Klepatsch hat nach öffentlichen Zweifeln an Russlands wirtschaftlichen Aussichten im Krieg gegen die Ukraine seinen Posten als Chefökonom des Staatskonzerns VEB.RF verloren. Die Entlassung bestätigte das Unternehmen russischen Medien. Das unabhängige Portal The Bell berichtet unter Berufung auf zwei Vertraute Klepatschs, VEB-Chef Igor Schuwalow habe nach einem «Anruf von oben» gehandelt.
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Klepatsch hatte bereits im Mai bei einem Vortrag in Moskau davor gewarnt, auf einen wirtschaftlichen Zusammenbruch der Ukraine zu setzen. «In diesem Abnutzungskrieg werden wir den Wettbewerb nicht gewinnen. Wir geben uns der Illusion hin, dass dort alles zusammenbrechen wird. Es ist nicht zusammengebrochen und wird auch nicht zusammenbrechen», zitierte ihn die Moscow Times.
Der Ökonom sieht vielmehr Russland selbst unter wachsendem Druck. Das Land falle technologisch und wirtschaftlich zurück und verliere in einzelnen Bereichen sogar gegenüber der Ukraine an Boden. Deren Wirtschaft sei zwar teilweise zerstört und stehe vor erheblichen demografischen Problemen, halte aber weiterhin durch. Zugleich würden ukrainische Angriffe auf russische Infrastruktur inzwischen zu einem spürbaren Hindernis für das Wirtschaftswachstum.
Besonders deutlich wurde Klepatsch bei den gesellschaftlichen Folgen. Ein Zerfall Russlands sei aus seiner Sicht zwar nicht zu erwarten. «Aber ich bin mir fast sicher, dass wir in eine soziale Krise geraten werden», sagte er. Ein Ende des Krieges sei zudem nicht absehbar.
Der 67-Jährige zählt zu den bekannten russischen Wirtschaftsexperten und arbeitete zwölf Jahre für VEB.RF, eine staatliche Entwicklungsinstitution, die unter westlichen Sanktionen steht. Zuvor war Klepatsch unter anderem stellvertretender Wirtschaftsminister. Seine Entlassung bestätigte er gegenüber Forbes, ohne einen Grund zu nennen.