Der italienische Kultursommer erlebt eine politische Eiszeit: Der Auftritt des russischen Stardirigenten Waleri Gergijew beim Ravello-Festival wurde nach Protesten kurzfristig abgesagt. Grund ist Gergijews Nähe zum russischen Präsidenten Wladimir Putin, den er wiederholt öffentlich unterstützt hat – unter anderem bei der Annexion der Krim.
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Der Kreml reagierte prompt. Sprecher Dmitri Peskow bezeichnete die Absage laut dem Onlineportal Politico als «inakzeptabel» und warf dem Westen «Zensur» sowie «diskriminierende Praktiken gegenüber russischer Kultur» vor. «Die Entscheidung bestätigt wieder einmal die Doppelmoral europäischer Politiker», so Peskow.
Der Dirigent sollte ursprünglich am 21. August die Münchner Philharmoniker dirigieren. Nach heftiger Kritik aus Medien, Politik und Zivilgesellschaft zog die Festivalleitung jedoch die Notbremse. Bereits 2022 hatte München Gergijew als Chefdirigenten entlassen, nachdem er sich nicht vom russischen Angriff auf die Ukraine distanziert hatte.
Gergijew zählt seit Jahren zu den prominentesten Kulturvertretern Russlands und gilt als enger Vertrauter Putins. Er war nicht nur musikalischer Direktor des Mariinski-Theaters in St. Petersburg, sondern trat auch bei zahlreichen staatlichen Anlässen auf – zuletzt bei einem Konzert auf der Krim.