Russland hat den Balkankorrespondenten der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Michael Martens, international zur Fahndung ausgeschrieben. Ein Moskauer Gericht erliess einen Haftbefehl gegen ihn, wie die staatliche Nachrichtenagentur Tass meldete. Der Vorwurf lautet auf «Anstiftung zu Hass oder Feindseligkeit». Nach russischem Recht drohen Martens bis zu sechs Jahre Haft. Das berichtet die Zeit unter Berufung auf Tass.
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Auslöser ist eine Frage, die Martens dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj vor gut zwei Wochen bei dessen Besuch in Belgrad gestellt hatte. In einem Gespräch mit dem serbischen Präsidenten Aleksandar Vucic ging es darum, wie viele russische Soldaten die Ukraine kampfunfähig machen müsste, um die russische Armee so stark unter Druck zu setzen, dass Präsident Wladimir Putin zu Friedensgesprächen bereit wäre. Martens fragte Selenskyj daraufhin, was europäische Länder tun könnten, um «dazu beizutragen, dass mehr Russen getötet werden». «Mehr russische Soldaten, natürlich», fügte Martens an.
Das russische Aussenministerium wertete die Formulierung als Aufruf zur Tötung von Russen. Sprecherin Maria Sacharowa bezeichnete sie als «unzulässig» und «kriminell». Martens war bereits zuvor auf die Fahndungsliste des russischen Innenministeriums gesetzt worden; nun folgte der Haftbefehl.
Welche praktischen Folgen die russische Fahndung hat, ist offen. Bei Interpol war zunächst kein Eintrag zu Martens zu finden. Ein solcher könnte zu längeren Kontrollen bei Grenzübertritten führen. Besonders relevant ist Serbien, das zu Martens’ Arbeitsregion gehört und traditionell enge Beziehungen zu Moskau unterhält. Ob Belgrad das russische Fahndungsgesuch umsetzen würde, ist bislang unklar.