Die amerikanische Rüstungsindustrie fährt ihre Raketenproduktion mit Milliardeninvestitionen hoch – doch für die stark beanspruchten Bestände der USA und ihrer Verbündeten kommt der Nachschub vorerst «zu spät». Das berichtet das Wall Street Journal unter Berufung auf Hersteller, Regierungsvertreter und Branchenexperten.
Der Rüstungskonzern RTX will allein die Jahresproduktion des Marschflugkörpers Tomahawk auf mehr als 1000 Stück steigern. Das Unternehmen investiert dafür in Personal, Technologie, Lieferketten und zusätzliche Produktionskapazitäten. Im August erteilte die US-Marine einen Auftrag über 23 Milliarden Dollar mit einer Laufzeit von sieben Jahren für neue Tomahawk-Raketen.
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Noch aber klaffen Bedarf und Produktion auseinander. RTX dürfte dieses Jahr gut 400 Tomahawks herstellen. Gleichzeitig haben die USA laut Wall Street Journal im Krieg gegen den Iran innerhalb von zwei Monaten mehr als 1000 dieser Marschflugkörper eingesetzt. Nach Berechnungen des Center for Strategic and International Studies wurde damit rund ein Drittel des amerikanischen Tomahawk-Bestands vor dem Iran-Krieg verbraucht. Bei hochwertigen Patriot-Abfangraketen sei es ungefähr die Hälfte.
Auch Lockheed Martin baut Kapazitäten aus und stellt in Arkansas Hunderte zusätzliche Mitarbeiter ein, um die Produktion von Patriot-Abfangraketen zu verdreifachen. Boeing, L3Harris und Northrop Grumman investieren ebenfalls in neue Fertigungslinien. Dennoch werden viele zusätzliche Raketen erst in mehreren Jahren verfügbar sein.
«Die Verteidigungsminister haben volle Geldbörsen – sie gehen in die Geschäfte, und die Regale sind leer», sagt der frühere Nato-Militärausschussvorsitzende Rob Bauer. Fachkräftemangel, seltene Rohstoffe, Mikroelektronik und komplexe Lieferketten bremsen den Ausbau. Für die USA wird damit eine alte Schwäche zum akuten Problem: Moderne Raketen lassen sich wesentlich schneller verschiessen als nachproduzieren.