Volkswagen vollzieht in Osnabrück einen Kurswechsel: In dem traditionsreichen Autowerk sollen künftig Teile für Luftabwehrsysteme statt Fahrzeuge produziert werden. Wie die Financial Times berichtet, hat VW dafür am Montag eine Vereinbarung mit der Investmentgruppe Aurelius Capital geschlossen. Gemeinsam mit dem Land Niedersachsen soll Aurelius die Mehrheit an dem 125 Jahre alten Standort übernehmen und ihn zu einem Zentrum für Verteidigungstechnik umbauen. Erstes Grossprojekt ist eine Kooperation mit dem israelischen Rüstungskonzern Rafael, dem Hersteller des Raketenabwehrsystems «Iron Dome».
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Für das Werk mit seinen rund 1800 Beschäftigten eröffnet der Einstieg ins Rüstungsgeschäft eine neue Perspektive. Die Fahrzeugproduktion sollte dort 2027 auslaufen. Nach Angaben von VW könnten künftig Luftabwehrsysteme und deren Komponenten für Deutschland und andere europäische Staaten gefertigt werden. Laut Betriebsratschefin Daniela Cavallo sichert die Vereinbarung zunächst die Zukunft von mehr als 1200 Mitarbeitern. Für die übrige Stammbelegschaft werde weiter nach einer Lösung gesucht.
VW-Chef Oliver Blume spricht von einer «neuen industriellen Zukunft» für Osnabrück. Rafael-Chef Yoav Tourgeman erklärte, langfristig solle die Technologie vollständig in Deutschland produziert werden, «um Deutschland und Europa zu schützen». Rafael bemüht sich zugleich um einen Auftrag der Bundesregierung für «Iron Dome». Das System hat eine Reichweite von rund siebzig Kilometern und wird von Israel vor allem zur Abwehr von Raketen eingesetzt.
Der Schritt fällt mitten in den tiefgreifenden Umbau der deutschen Autoindustrie. VW kämpft mit hohen Kosten und wachsender Konkurrenz aus China und plant den Abbau von 50.000 Stellen. Gleichzeitig steigen Deutschlands Verteidigungsausgaben massiv: In den kommenden fünf Jahren sind rund 700 Milliarden Euro vorgesehen. Osnabrück wird damit zu einem besonders sichtbaren Beispiel für die Verschiebung – vom Autobau zur Rüstungsproduktion.