Der frühere ukrainische Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow wechselt nur wenige Wochen nach seinem Zerwürfnis mit Präsident Wolodymyr Selenskyj in eine neue Rolle: Er wird Berater des italienischen Verteidigungsministers Guido Crosetto. Fedorow bestätigte am Freitag, dass er dessen Angebot angenommen habe. Künftig soll er Italien dabei helfen, neue Militärtechnologien zu entwickeln und Erfahrungen aus dem Ukraine-Krieg für die italienische Armee nutzbar zu machen.
Andrii Nesterenko/EPA/Keystone
Ganz nach Rom zieht Fedorow allerdings nicht. Seine wichtigste Aufgabe bleibe in der Ukraine, erklärte er. Dort will er einen Fonds aufbauen, der internationales Kapital für die ukrainische Rüstungsindustrie mobilisieren soll. Crosetto hatte ihm den Beraterposten bereits im Juli angeboten – unmittelbar nach seiner Entlassung in Kiew. Der Italiener bezeichnete Fedorow als einen Innovator, der die Regeln auf dem Schlachtfeld grundlegend verändert habe.
Brisant ist der Wechsel vor allem wegen Fedorows jüngster Geschichte in Kiew. Selenskyj hatte den erst 35-Jährigen Mitte Juli nach nur rund sechs Monaten als Verteidigungsminister entlassen. Laut Politico waren dem Schritt Spannungen mit der Militärführung und politische Differenzen vorausgegangen. Die Entlassung führte sogar zu seltenen Protesten in der Ukraine während des Krieges.
Seit seinem Ausscheiden aus der Regierung geht Fedorow auch politisch auf Distanz zu Selenskyj. Anfang August forderte er Wahlen – trotz des weiterhin geltenden Kriegszustands und der russischen Invasion. Die Ukrainer könnten nicht endlos ohne Klarheit darüber leben, wie wichtige politische Entscheidungen zustande kämen, argumentierte er. Selenskyj hält dagegen: Wahlen während des Krieges könnten das Land «zerreissen».
Damit verschwindet der ehemalige Verteidigungsminister keineswegs von der politischen Bühne. Fedorow arbeitet weiter am Ausbau der ukrainischen Rüstungsindustrie – und berät nun gleichzeitig ein Nato-Land bei der modernen Kriegsführung.