Kapitel
- Einleitung und Vorstellung
- Historie des Schlosses Zitzers
- Bau und Zweck des Schlosses
- Nutzung als Priester- und Altersresidenz
- Biografie von Kaiserin Zita
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«Gruetze wieder an dich, begrüsse Sie ganz herzlich zu einer weiteren Ausgabe von Weltwoche Daily, speziell Meilensteine der Schweizer Geschichte. Mein Name ist Roman Zeller und neben mir bereits steht schon Professor Christoph Mörgeli. Wir befinden uns heute in Zitzers im Kanton Graubünden. Hinter uns ein wunderbares, ein prächtiges Schloss. Lieber Christoph, was ist das für ein Schloss? Was ist das Thema? der heutigen Sendung. Grüezi miteinander. Zitzers im Kreis Fünf Dörfer hat dieses prächtige Barockschloss aus dem 17. Jahrhundert. Das ist vor allem bekannt geworden als Stift St. Johann, als Altersheim, vorher auch ein Erholungsheim für Priester des Bistums Chur. Vor allem aber kennen wir das Haus bzw. das Schloss. als Residenz, als langjährige Residenz bis zu ihrem Tod der letzten Kaiserin von Österreich-Ungarn, der Habsburger Kaiserin Zita. Gehen zurück ins 17. Jahrhundert. Damals wurde das Schloss gebaut für Priester, hast du gesagt. Wer hat dieses Schloss gebaut? Wer ist da Urheber und Schöpfer dieses Prachtbaus? Damals war das noch nicht für Priester gedacht. den Bau errichtet, hat Johann Rudolf von Salis, ein katholischer, adliger Bündner, der vor allem eine Militärkarriere gemacht hat in französischen Diensten. Er brachte es bis zum Marschall. Und dieses Haus wurde zwischen 1670 und 1688 als Barockanlage errichtet. Nicht vor allem von diesem Marschall von Salis, Die haben Reihe übrigens dann. 1819 ausgestorben ist, sondern vor allem von seiner Frau, die hier vor Ort war und die Bauarbeiten entsprechend überwachen konnte. Wer war das? Die Frau, es war meines Wissens die zweite Frau, sie ebenfalls aus adligem Geschlecht, hier aus der Region und sie war sehr tatkräftig hier bei der Realisierung dieses Gebäudes. Sie hat auch ihren Geschmack hier massiv eingebracht. Was war der Sinn und Zweck dieses Schlosses? Der Sinn und Zweck dieses Schlosses war ein repräsentativer Adelssitz, auch ein Alterssitz gedacht für dieses Ehepaar, für den französischen Marschall, der eben die sogenannte Marschalllinie der von Salis begründet hat. Und wann wurde aus diesem Schloss ein Priestersitz? Es kam dann später im 19. Jahrhundert ans Bistum Chur. Hier konnten sich katholische Priester erholen. Das wurde dann auch massiv benutzt, bis es dann zu einer Altersresidenz ausgebaut wurde und bekannt dann vor allem, weil in den Jahren 1962 bis 1989, also doch viele Jahre, 27 Jahre lang, hier die Kaiserin Zitta, die ehemalige Kaiserin, Zita von Österreich-Ungarn ihren Lebensabend verbracht hat. Vielleicht die erste Frage, wie kam die Kaiserin auf Zitzers? Sie hat die Schweiz gerne gemocht, es gibt viele Beziehungen des Geschlechts der Habsburger zur Schweiz, sie stammen ja ursprünglich auch aus Gebieten, die heute schweizerisch sind, Stichwort Habsburg im Aargau, aber es gibt auch für Zita Zitta, dann verschiedene Anknüpfungspunkte. Und für sie war diese katholische Altersresidenz offenbar ein Sitz, den sie sehr gerne hier eingenommen hat. Sie hat gerne hier gelebt, sehr zurückgezogen gelebt. Also es ist nicht so, dass sie eine grosse öffentliche Rolle gespielt hat oder spielen wollte. Für alle, die nicht vertraut sind mit der österreichischen Kaisergeschichte, wer war Zitta? Kaiserin Zitta ist 1892 geboren, als Prinzessin von Bourbon-Parma. Damals war das Geschlecht bereits nicht mehr regierend in Italien, bereits dann vertrieben durch diese Einigung Italiens. Aber man lebte an verschiedenen Orten, natürlich auf grossem Fuss. Sie hat allerdings eine sehr sorgfältige Erziehung genossen. Zeit. Rita sprach mehrere Sprachen fliessend. Sie ist gut ausgebildet worden, vor allem an Klosterschulen. Und sie war dann die passende Partie für den... Thronfolger von Österreich Habsburg für Karl. Sie haben im Jahr 1911 geheiratet. Kaiser Franz Josef war zufrieden, sogar begeistert, über die Wahl seines Grossneffen, weil der Thronfolger Rudolf in direkter Linie ist ja gestorben, hat sich ja umgebracht. Und der eigentliche Thronfolger Franz Ferdinand, der dann in Sarajevo 1914 ermordet werden sollte. konnte über die Kinder keine Thronfolge beanspruchen, denn er war nicht ebenbürtig verheiratet. Er hat eine sogenannte morganatische Ehe eingegangen und so waren seine Kinder nicht berechtigt auf diesen Thron, hingegen Karl und dessen Frau Zita schon. Was war Zita für eine Person, für einen Charakter? Was hat sie ausgemacht, ausgezeichnet? Zitat Rita war in erster Linie einmal sehr, sehr fromm und gottesfürchtig. Ebenfalls ihr Mann Karl. Das war ein ganz wichtiger Teil ihres Lebens, ihrer Erziehung auch, der katholische Glaube. Und sie war eine starke Persönlichkeit. Sie war stärker letztlich als ihr Mann, der Kaiser. Sie hat ihn gewissermassen schon ein Stück weit auch geführt. Sie war sehr elegant, sie war eine schöne Frau. Sie. war zu ihrer Zeit natürlich auch so etwas wie ein Vorbild für andere Frauen, weil sie entsprechend gut gekleidet war, allerdings natürlich nie irgendwie freizügig, sondern immer sehr, sehr streng und der Etikette gemäss. 1911 also, wie gesagt, diese Heirat und als dann im November 1916 der Greise Kaiser Franz Josef stirbt, wird Karl zum Kaiser gekrönt und seine Frau. wird Kaiserin. Das sollte allerdings nicht sehr lange dauern. Warum? Es kam dann 1918, gegen Jahresende, wegen dem schlechten Verlauf des Ersten Weltkriegs für Österreich-Ungarn, genauso wie für das Deutsche Reich, zu einer Umwandlung in eine Republik. Das heisst, das ganze Reich der Habsburger, dieser Vielvölkerstaat, ist auseinandergerissen. worden, ist auseinandergefallen. Das hat Karl dann schon gemerkt in seiner Regierungszeit 1916 bis 1918. Er hat natürlich oft die Truppen besucht in diesem Krieg. Er hat gemerkt, dass das sicher kein Erfolg wird und dass wahrscheinlich die politischen Vorgänge sein Reich zerstören würde. Was hat das für Zita und ihre Lebensweise bedeutet? Zita Rita hat das ebenfalls gemerkt, hat ebenfalls natürlich ein schlechtes Gefühl gehabt für diese Monarchie und hat über ihren Bruder Sixtus sogar versucht, mit den Entente-Mächten, mit den Feinden im Felde, eine Art Absprache, eine Art Frieden zu erlangen. Das hat dann grosse Aufregung natürlich erzeugt, vor allem bei den Verbündeten der Achse damals, Bye. Der. Regierung des Deutschen Reichs und deren Militärdiktatur, die man mittlerweile hatte durch Hindenburg und Ludendorff. Also das war etwas, das das Kaiserpaar schon ein Stück weit erschüttert hat. Im Nachhinein eine richtige, eine einsichtige Aktion. Beziehungen zu Schweiz zu dieser Zeit von dem österreichischen Kaiserpaar? Die Schweiz war natürlich neutral. Die Beziehungen waren damals noch nicht besonders eng. Man denke nur, über welch Ausmasse dieses damalige Reich verfügte. Da mussten sich die Kaiser und die Kaiserin zeigen dem Publikum. Sie mussten immer wieder reisen und der Kaiser musste natürlich die Front besuchen und seine Truppen aufmuntern. Aber als sie dann abdanken mussten, flohen sie in die Schweiz. Sie wurden gewissermassen. Ausgewiesen dann durch die neue österreichische republikanische Regierung. Sie kamen in ein Schloss in der Nähe von Rorschach unter zuerst. Und das war dann doch ein bisschen zu nahe an Österreich, sodass die Bundesbehörden gesagt haben, sie sollen ein bisschen weiter Richtung Genfersee. Sie war dann in einer Villa in Branche untergebracht. Und als dann von der Schweiz aus der ehemalige Kaiser Karl einen Putsch in Ungarn versuchte, um wieder, zumindest zuerst in Ungarn, zur Königswürde zurückzufinden. Da mussten die beiden dann die Schweiz verlassen. Sie kamen nach Madeira 1921 und da ist dann 1922 Kaiser Karl. Sehr früh durch eine Lungenentzündung, recht tragisch. Und Zitta, sie blieb da? Zitta war damals noch nicht 30-jährig, hatte bereits sieben Kinder, war mit einem achten Kind schwanger. Und sie blieb da nicht mehr allzu lange. Sie kam dann nach Madrid, sie kam später nach Belgien. Und als der Zweite Weltkrieg ausbrach, 1940, Belgien überfallen wurde durch die Deutschen, musste sie auch bald möglichst über Spanien, Portugal nach Übersee entfliehen, denn sie wäre sicher nicht willkommen gewesen diesem Hitlerreich und sie begab sich dann ins Exil nach Kanada. Was machte sie in Kanada mit acht Kindern mittlerweile? In Kanada wurden diese Kinder erzogen, sie haben eine gute Bildung genossen, bekannt geworden. ist dann vor allem Otto von Habsburg, später ein bekannter CSU-Politiker in Bayern, ein kluger Mann, ein Vordenker auch Europas und ein absoluter Anti-Nazi. Der hat also den Nationalsozialismus sehr bekämpft, auch eben und gerade wegen dem Antisemitismus, denn die Juden waren im alten Österreich-Hungarn eine wichtige Minderheit. Man denke nur an Galicien, an die heutigen Gebiete von Polen und der Ukraine. Wie ging es weiter nach oder in Kanada? In Kanada hat man den Krieg überlebt. Die Witwe hat immer schwarz getragen. Sie war ja viele, viele Jahrzehnte Witwe, hat sich nie mehr verheiratet, hat ihre Kinder gut erzogen und kam dann zurück 1953 wieder nach Europa, zuerst nach Luxemburg. bevor sie dann eben 1962 hier in Zitzers anlangte, um hier ihren Lebensabend zu verbringen. Wir haben die Menschen in Zitzer diesen Umzug aufgenommen. Man darf sagen, sie war willkommen in der Schweiz. Es gab hier also keine Widerstände. Man hatte nichts einzuwenden, dass die Frau hier ihren Lebensabend verbringt. Und sie war eine Frau, die man... gesehen hat, die man kannte, aber die auch sicher entsprechend Distanz hielt und sich da nicht irgendwie gemein machte mit der breiten Bevölkerung. Das war ein zurückgezogenes Leben, eben sehr auch der Religion gewidmet. Sie ist natürlich immer wieder besucht worden durch ihre Kinder und auch entsprechend betreut worden. Aber sie wohnte hier alleine? Sie wohnte hier alleine, das heisst natürlich mit anderen Pensionären. In diesem Heim wurde auch gut betreut, hatte sicher anständige Räumlichkeiten zur Verfügung, aber doch natürlich für das, was sie als Habsburgerin gewohnt war, sehr, sehr einfach. Ist sie hier auch gestorben? Sie ist hier verstorben. Sie hat im Gegensatz zu ihrem Sohn Otto niemals auf die Kaiserwürde verzichtet. Sie war also zäh in ihren Ansprüchen. Deshalb wollte man sie eigentlich nicht nach Österreich einreisen lassen. Mittlerweile durfte Otto das, weil er ausdrücklich verzichtet hat. Und sie hat nicht verzichtet. Als dann aber die Diskussionen in der Politik liefen, ob sie nicht doch Österreich wieder betreten dürfe, sagte man, ja, sie ist ja nicht mehr aus... einem regierenden Zweig, auch wenn sie nicht verzichtet, ist die Gefahr nicht gross, dass sie da einen Putsch veranstaltet oder wieder an die Kaiserwürde heran will und nach der Kaiserkrone greift. Also sie durfte dann auch, ich glaube 1982, nach Wien wieder reisen, nach Österreich. Sie wurde da sogar vom damaligen Kardinal König. gewissermassen gesegnet, wie es früher für die Kaiserinnen üblich war. Warum wollte sie diese Kaiserwürden partout nicht ablegen? Ich glaube, sie dachte sehr dynastisch und sagte, dieses Kaisertum, diese Monarchie ist Gott gegeben, die können die Menschen nicht auflösen, das ist eine ewige Geschichte, die weit, weit zurückgeht und das hing sicher auch mit ihrer religiösen Überzeugung zusammen. Warum ist... Kaiserin Zitta, die hier in Zitzers wohnte, ein Meilenstein für die Schweizer Geschichte. Zitta ist natürlich eine wirklich wichtige Figur der Zeitgeschichte. Sie gehörte zum absoluten Hochadel, zu einer der absolut führenden adeligen Familien Europas. Und ihr langes Schicksal als Witwe hat allgemein Anerkennung gefunden, ebenso natürlich ihre Lebenshaltung. die ihres Mannes, denn der früh verstorbene Kaiser Karl ist durch die katholische Kirche selig gesprochen worden. Bei Kaiserin Zita läuft meines Wissens auch ein entsprechendes Verfahren im Vatikan, also die Religion sehr, sehr wichtig. Da hat sich übrigens Kaiser Karl absolut unterschieden von seinem Vater, dem Erzherzog Otto, der da eine ganze Reihe von unehelichen Kindern gezeugt hat. Und wie hat Hat Kaiserin Zitta die Schweiz fasziniert? Hat sie sie überhaupt fasziniert? War das eine Riesengeschichte damals, als sie hier nach Zitzers kam? Oder hat man das eher so achselzuckend zur Kenntnis genommen? Es war nicht eine Riesengeschichte. Sie wollte auch keine Geschichte draus machen. Sie war, wie gesagt, eine bescheidene Persönlichkeit, recht anspruchsvoll für sich selber und wollte keinesfalls da einen grossen Wirbel veranstalten. Sie hat allerdings vorgesorgt, Sie hat geschaut, dass im Kloster Muri auch in der Schweiz die Herzen der exilierten Habsburger wieder bestattet werden. Während ihr Herz tatsächlich heute in der Schweiz liegt, ist ihr Körper dann in die Kapuzinergruft nach Wien wieder zurückgekehrt. Sie ist also in Wien bestattet worden mit grossen, könnte man sagen, nicht gerade kaiserlichen, aber doch einigen Das haben wir vergessen, über dieses prunkvolle Schloss. Was ist heute in diesem Schloss? Wer wohnt heute da? Das ist auch eine interessante Geschichte. Als es zu Ende ging mit diesem Alters- und Pflegeheim, wollte eigentlich die Gemeinde einziehen, die Gemeindeverwaltung. Das ist ja immer so, dass die Beamten gerne schön wohnen und schön residieren, schöne Arbeitsplätze haben. Das hat dann aber die Gemeindeversammlung im Jahr 2020 untersagt. Und die Gemeindeverwaltung ist jetzt andernorts untergebracht. Das Schloss ist privat und es hat darin prachtvolle Wohnungen, die man meines Wissens kaufen, vielleicht auch mieten kann. Aber sie sind auf dem Markt und man kann dieses sogenannte untere Schloss in Sitz. Also es gibt auch noch ein oberes heute wirklich... als Wohnsitz benutzen, als Privatperson. Das haben wir vergessen über die Kaiserin, über Zitzers, über das Schloss. Ich glaube, wir haben ungefähr das, was zu sagen ist, gesagt. Es gäbe natürlich sehr viele Nebenstränge zu erzählen. Aber dieses nicht riesige Dorf Zitzers hat mit dieser Persönlichkeit sicher die wichtigste Figur der Gemeindegeschichte beherbergt, vielleicht auch die wichtigste Figur. der ganzen Region. Sie hat nur zwei Jahre regiert in diesem Sinne, aber sie hat diese Zeit überdauert und sie ist eine Frau mit grossen Grundüberzeugungen, denen sie absolut treu geblieben ist ihr ganzes Leben. Lieber Christoph, ganz herzlichen Dank für diese Ausführungen. Ihnen danken wir ganz herzlich für die Aufmerksamkeit, wünschen Ihnen ein wunderschönes Wochenende. Bis zum nächsten Mal bei Weltwoche Daily Spezial und bis zum nächsten Mal vor allem. bei Meilensteine der Schweizer Geschichte. Vielen herzlichen Dank.
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