Eine Juristen-Initiative empfiehlt in einem neuen Leitfaden für wissenschaftliche Arbeiten, Begriffe wie «Vater» und «Mutter» je nach Zusammenhang durch neutralere Formulierungen wie «Elternteil» zu ersetzen. Die «Initiative offene Rechtswissenschaft» will mit ihrem Glossar nach eigenen Angaben für einen «sensibleren» Sprachgebrauch sorgen und Begriffe sammeln, die sie als diskriminierend, stigmatisierend oder problematisch einstuft. Darüber berichtet die Bild-Zeitung.
Sven Hoppe/DPA/Keystone
Dabei geht es nicht nur um Familienbezeichnungen. Aus einem «Analphabeten» soll dem Leitfaden zufolge ein «gering literalisierter Mensch» werden. Der Begriff «Ausländer» werde häufig abwertend gebraucht und solle möglichst durch «Person mit nichtdeutscher Staatsangehörigkeit» ersetzt werden. Statt «Behinderter» empfehlen die Autoren «Mensch mit Behinderung», damit die Person und nicht ihre Einschränkung im Vordergrund stehe.
Auch etablierte Begriffe aus Staat und Justiz stehen auf der Liste. Der «V-Mann» wird zur «V-Person», der «Verfassungsgeber» zur «verfassungsgebenden Gewalt» und der «Täter» zur «Täterschaft». Selbst für die «Ausländerbehörde» nennt das Glossar als mögliche Alternative die englische Bezeichnung «Welcome Center».
Die Initiative versteht das Verzeichnis laut Bericht nicht als abgeschlossenes Regelwerk, sondern als «lebendiges Glossar», das fortlaufend erweitert werden könne. Ziel sei es, als problematisch betrachtete Begriffe zu erfassen und Alternativen für rechtswissenschaftliche Texte anzubieten.
Solche Sprachvorschläge sind seit Jahren umstritten. Kritiker sehen darin eine Verkomplizierung des Deutschen. Der Sprachwissenschaftler Helmut Glück bezeichnet das Gendern in «Forschung & Lehre» als «wissenschaftsfremden Übergriff auf die deutsche Sprache». Der neue Leitfaden dürfte die Debatte darüber, wie weit sprachliche Sensibilisierung in Wissenschaft und Justiz gehen soll, erneut anfachen.