Die von den USA und Iran vereinbarte Waffenruhe hat die Finanzmärkte kurzfristig beruhigt, doch die wirtschaftlichen Folgen des Konflikts werden Europa laut einem Bericht von Politico noch monatelang belasten. «Was wir bereits absehen können, ist, dass diese Krise nicht von kurzer Dauer sein wird», sagte Anna-Kaisa Itkonen, Sprecherin der Europäischen Kommission am Mittwoch vor den Medien.
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Nach der Ankündigung der zweiwöchigen Feuerpause reagierten die Märkte mit Erleichterung: Euro und Pfund legten gegenüber dem Dollar zu, Anleiherenditen sanken, und Erwartungen an baldige Zinserhöhungen durch die Europäische Zentralbank und die Bank of England wurden deutlich zurückgenommen. Szenarien stark steigender Energiepreise und einer daraus folgenden Inflationswelle verloren vorerst an Gewicht.
Ökonomen warnen jedoch vor voreiligem Optimismus. Simon French, Chefökonom der Investmentbank Panmure Liberum, erklärte: «Eine vorübergehende Pause ist genau das – und beide Seiten des Konflikts haben sich einen erneuerten Ruf der Unberechenbarkeit erarbeitet.» Kallum Pickering, Chefökonom von Peel Hunt, ergänzt: «Selbst wenn dieser Waffenstillstand das tatsächliche Ende der Kämpfe markieren sollte, ist ein Teil des wirtschaftlichen Schadens bereits eingepreist.» Für die zweite Jahreshälfte erwartet er höhere Inflation und schwächeres Wachstum als noch vor Kriegsbeginn prognostiziert.
Im Zentrum der Risiken stehen beschädigte Energieinfrastruktur und gestörte Lieferketten. Angriffe auf Anlagen im Persischen Golf – darunter das LNG-Terminal Ras Laffan in Katar sowie petrochemische Anlagen in Saudi-Arabien – haben die Versorgung nachhaltig beeinträchtigt. Teilweise könnten Lieferausfälle mehrere Jahre andauern. Gleichzeitig bleiben die Preise hoch: Terminkontrakte für europäisches Erdgas im Sommer liegen weiterhin über 40 Prozent über dem Niveau von Februar.
Hinzu kommt anhaltende Unsicherheit im Schiffsverkehr durch die Strasse von Hormus, eine zentrale Route für den globalen Energiehandel. Trotz angekündigter Gespräche in Pakistan bestehen grundlegende Differenzen, etwa über Transportbedingungen für Öl und Gas sowie Irans Atomprogramm. Parallel gehen militärische Aktionen weiter: Iran griff erneut Ölanlagen in Saudi-Arabien und Kuwait an, während Israel Luftschläge im Libanon fortsetzte.
Die Folge ist ein anhaltender Druck auf Rohstoffmärkte insgesamt – auch Metalle und strategische Güter wie Helium verteuern sich. Selbst bei stabilerer Sicherheitslage dürfte es laut Politico-Bericht Monate dauern, bis Produktion und Lieferketten wieder normal funktionieren. Das Fazit: Die Märkte reagieren schnell, die Realwirtschaft folgt langsamer. Europas Konjunktur bleibt damit vorerst im Krisenmodus.