Schweden bereitet sich im Rahmen seiner neuen «Totalverteidigung» auch auf hohe Zahlen gefallener Soldaten vor und hat bei seiner grössten Militärübung seit Jahrzehnten erstmals wieder die gesamte Logistik für Kriegstote trainiert, wie der Sender Euronews berichtet. Nach Angaben der schwedischen Streitkräfte nahmen an der Übung «Aurora 26» von Ende April bis Mitte Mai rund 18.000 Soldaten aus dreizehn Ländern teil. Ein im Fachjournal «Frontiers in Psychiatry» veröffentlichter Bericht beschreibt, wie dabei mit mehr als 500 Puppen und Leichensäcken der Umgang mit Gefallenen simuliert wurde.
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Rund 300 Angehörige der Streitkräfte übten gemeinsam mit zivilen Stellen Abläufe, die Schweden seit Jahrzehnten nicht mehr in dieser Grössenordnung erprobt hatte. Beteiligt waren unter anderem die schwedische Kirche, die Steuerbehörde und die Wehrpflichtbehörde. Nach Angaben eines beteiligten Kommandanten hatte eine vergleichbare Übung zuletzt 1952 stattgefunden.
Das Szenario umfasste die gesamte Kette vom Schlachtfeld bis zur Beerdigung: Bergung und Identifizierung von Toten, Kühlung der Leichen, Kontakt mit Angehörigen und ausländischen Botschaften sowie Meldungen an das Internationale Komitee vom Roten Kreuz. Am Ende standen Bestattungen mit militärischen Ehren. Dabei kamen echte Leichensäcke zum Einsatz; ein Priester sprach für Statisten die letzten Sakramente.
Hintergrund ist der sicherheitspolitische Kurswechsel des Landes. Schweden gab nach dem russischen Angriff auf die Ukraine seine jahrzehntelange militärische Bündnisfreiheit auf und trat 2024 der Nato bei. Seither baut Stockholm die sogenannte Totalverteidigung aus, bei der Militär, Behörden und Zivilgesellschaft gemeinsam auf einen möglichen Krieg vorbereitet werden.
Die Übung sollte deshalb nicht nur logistische Verfahren testen. Untersucht wurde auch, wie Soldaten und zivile Helfer psychisch auf den massenhaften Umgang mit Gefallenen reagieren.