Ein Kolumnist der britischen Times macht Angela Merkel für die politische Polarisierung Europas mitverantwortlich und bezeichnet die frühere deutsche Bundeskanzlerin als «wahre Extremistin unserer Zeit». Autor Matthew Syed schreibt, nicht erst der Aufstieg rechter Parteien habe Europa radikalisiert; vorausgegangen sei eine Politik etablierter Regierungschefs, die weitreichende Entscheidungen gegen erhebliche gesellschaftliche Widerstände durchgesetzt hätten.
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Besonders scharf kritisiert Syed Merkels Migrationspolitik von 2015. Sie habe damals nahezu eine Million Asylsuchende ins Land gelassen und dabei die finanziellen und gesellschaftlichen Folgen gekannt. Wörtlich schreibt er, Merkel habe «die Zurschaustellung ihrer eigenen moralischen Haltung über die Interessen ihrer Wähler» gestellt. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge beziffert die Zahl der 2015 nach Deutschland eingereisten Asylsuchenden nach Bereinigung von Fehl- und Doppelregistrierungen auf rund 890.000.
Syed führt Belastungen für Schulen, Wohnungsmarkt und Staatsfinanzen sowie gesellschaftliche Spannungen an. Auch den Aufstieg der AfD deutet er als Reaktion auf die Politik der Merkel-Jahre. Seine These: Wenn Extremismus bedeute, unverhältnismässig zu Kontext, Geschichte und Zustimmung zu handeln, sei Merkels Amtszeit der «Höhepunkt des europäischen Extremismus der Nachkriegszeit».
Die Kritik beschränkt sich nicht auf die Migration. Syed wirft Merkel vor, nach der russischen Annexion der Krim an Nord Stream 2 festgehalten, die wirtschaftlichen Beziehungen zu China vertieft und Deutschlands Nato-Ziel bei den Verteidigungsausgaben verfehlt zu haben. Sein Schluss fällt entsprechend drastisch aus: Merkel sei «womöglich die schlechteste moderne westliche Regierungschefin» gewesen.