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Syrien brennt – und der Westen schaut weg

Achmed al‑Scharaa, einst Terrorist, jetzt Präsident von Syrien, wurde vom Westen als «Hoffnungsträger» gefeiert. Trump lud ihn nach Riad ein, Macron nach Paris, Sanktionen wurden aufgehoben, damit es ihm nicht an Ressourcen fehlen würde, das neue Syrien aufzubauen.

Die damalige deutsche Aussenministerin Baerbock versuchte im Januar bei ihrer Reise nach Damaskus einen politischen Neuanfang mit den neuen syrischen Machthabern – knüpfte diesen aber Bedingungen. Dazu gehörten unter anderem der Schutz von Minderheiten und ethnischen Gruppen.

AHMAD FALLAHA / KEYSTONE
epa12245135 Fighters from Bedouin tribes roam the town of Al-Mazra'a in the Suwayda countryside, southern Syria, after the tribes launched extensive military operations against Druze factions following the killing and displacement of Arab Bedouins from the Suwayda countryside by Druze factions on 18 July 2025
AHMAD FALLAHA / KEYSTONE

Doch genau das gelingt Scharaa nicht. Die Realität in Syrien ist brutal: In Suweida, einer überwiegend von Drusen bewohnten Provinz, massakrieren Beduinen Drusen, es gibt Berichte über Folter, Vergewaltigungen, ethnische Säuberungen. Die Täter sind nicht nur radikale islamistische Milizen und Beduinengangs die sich in den Jahren des Staatszerfalls und der Gesetzlosigkeit ausgebreitet haben und gestärkt wurden. Zu den Tätern gehören auch regimenahe Kräfte, die eigentlich für Ordnung sorgen sollten.

Scharaa hat sein Land nicht im Griff. Teile der Armee handeln auf eigene Faust, Minderheiten wie Drusen, Kurden und Alawiten sind bedroht und fürchten um ihre Existenz. «Der Westen hat sich getäuscht», warnt Hamada Ganim, ein führender Kopf der drusisch‑israelischen Gemeinschaft. Scharaa ist unfähig, ein neues Syrien aufzubauen.

Israel, das befürchtet, dass sich an seiner Nordgrenze ein Ableger des Islamischen Staates einnisten könnte, reagiert kompromisslos. Die Luftwaffe bombardiert Suweida und sogar das syrische Verteidigungsministerium in Damaskus. Die Botschaft: Wer die Drusen abschlachtet, zahlt den Preis.

Gleichzeitig rückt die Türkei vor, bietet Damaskus «Hilfe» an, will das entstehende Machtvakuum füllen und könnte zum neuen Schutzherrn in Syrien werden – mit geopolitischen Konsequenzen, die noch nicht absehbar sind.

Syrien steht vor dem nächsten Flächenbrand. Und Europa und die USA müssen sich fragen, ob ihr naiver Flirt mit Scharaa den Weg dorthin geebnet hat.

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