Sachsen-Anhalts ehemaliger Ministerpräsident Reiner Haseloff macht die Bundespolitik der vergangenen Jahre für den Aufstieg der AfD mitverantwortlich und fordert einen grundlegenden Kurswechsel. «Im Grunde ist da ein Suizid politischer Art am Laufen», sagte der CDU-Politiker der Zeit. «Die Art, wie wir Politik machen, muss eine andere werden.» Der Kontakt zu ganzen Bevölkerungsgruppen sei verlorengegangen.
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Der 72-Jährige, der Sachsen-Anhalt fünfzehn Jahre regiert und sein Amt 2025 an Sven Schulze übergeben hat, sieht eine zunehmende Entfremdung zwischen Politik und Bevölkerung. «Man muss zur Kenntnis nehmen, dass Deutschland sich in weiten Teilen zum Nachteil verändert hat», sagte Haseloff. Der Souverän sei das Volk, und dieses signalisiere der Politik inzwischen: «Das lassen wir euch nicht durchgehen.»
Haseloff warnt zugleich davor, die politische Entwicklung allein auf die AfD zu reduzieren. Auch das Bündnis Sahra Wagenknecht zählt er zu den Kräften, die das politische System der Bundesrepublik grundlegend verändern wollten. Bei der Europawahl 2024, der Bundestagswahl 2025 und nun erneut in Sachsen-Anhalt habe dieses Lager zusammengenommen jeweils eine Mehrheit erreicht.
Enttäuscht äusserte sich Haseloff auch über Bundeskanzler Friedrich Merz. Dieser sei insbesondere in Ostdeutschland zunächst als «Hoffnungsträger» wahrgenommen worden, habe dort aber nur eine kurze politische Halbwertszeit gehabt. Zugleich warnte Haseloff vor überzogenen Erwartungen an einzelne Politiker: «Es gibt eine Überschätzung der Möglichkeit von Einzelpersonen, schnell Wirkung zu erzielen.»
Trotz der politischen Entwicklung will Haseloff Sachsen-Anhalt nicht mehr verlassen. Noch 2025 hatte er bei einem AfD-Wahlsieg einen Wegzug erwogen. Davon rückte er nun ab. Seine Grabstelle in Wittenberg habe er bereits gekauft: «Und ich werde nicht woanders noch mal eine Grabstelle eröffnen.»