Australiens Social-Media-Beschränkungen für unter 16-Jährige haben die Zahl der Kinderkonten deutlich reduziert, halten Jugendliche aber längst nicht vollständig von den Plattformen fern. Mindestens 4,7 Millionen Konten wurden seit Inkrafttreten der Regeln im Dezember 2025 gelöscht, deaktiviert oder eingeschränkt. Dennoch gaben in einer ersten Elternbefragung 31 Prozent an, ihr Kind besitze weiterhin mindestens ein Social-Media-Konto. Vor Einführung der Regelung waren es 49 Prozent. Das berichtet Politico.
Rick Rycroft/AP/Keystone
Das Gesetz verbietet Kindern die Nutzung sozialer Medien nicht grundsätzlich. Vielmehr dürfen Plattformen wie Facebook, Instagram, Tiktok, Snapchat, X, Reddit und Youtube unter 16-Jährigen keine Konten anbieten. Öffentlich zugängliche Inhalte dürfen Jugendliche weiterhin ohne Anmeldung ansehen. Auch Whatsapp, Discord, Messenger und zahlreiche Bildungs- und Spieledienste fallen nicht unter die Regelung. Bestraft werden bei Verstössen weder Kinder noch Eltern – verantwortlich sind die Plattformbetreiber.
Die ersten Zahlen zeigen grosse Unterschiede. Laut Daten des Anbieters Qustodio sank die monatliche Snapchat-Nutzung bei 13- bis 15-Jährigen um rund 40 Prozent. Bei Youtube waren es dagegen lediglich 3 Prozent. Dort lassen sich viele Inhalte auch ohne eigenes Konto ansehen. Eine Untersuchung unter 408 Jugendlichen zeigt zudem, dass die Alterskontrollen bislang teilweise leicht zu umgehen sind. Häufig müssen Nutzer lediglich selbst angeben, wie alt sie sind. Wer trotz der Altersgrenze ein Konto eröffnen will, braucht deshalb offenbar nicht unbedingt technische Tricks. VPN-Dienste, mit denen sich etwa der eigene Standort verschleiern lässt, wurden von den befragten Jugendlichen nur selten genutzt, um die Kontrollen zu umgehen.
Auch die Auswirkungen auf den Alltag fallen gemischt aus. In einer Yougov-Umfrage berichteten jeweils 38 Prozent der befragten Eltern, ihre Kinder seien bei persönlichen Begegnungen aufmerksamer und die Beziehungen hätten sich verbessert. Gleichzeitig beobachteten 25 Prozent weniger soziale Kontakte, Kreativität oder Unterstützung durch Gleichaltrige im Internet.
Ob die Regelung tatsächlich psychische Probleme bei Jugendlichen verringert, ist bislang offen. Die australische Regierung hat dafür keine konkreten Zielwerte festgelegt. Eine gemeinsam mit der Stanford University gestartete Untersuchung begleitet mehr als 4000 Kinder und Familien über zwei Jahre. Die zuständige Behörde rechnet damit, dass sich aussagekräftige Folgen möglicherweise erst nach Jahren zeigen.