Die EU erwägt Sanktionen, Visabeschränkungen und finanzielle Druckmittel, um eine vollständige Rückkehr russischer und belarussischer Sportler zu internationalen Wettkämpfen unter ihren Nationalflaggen zu erschweren. Wie Euractiv auf Berufung mehrerer EU-Diplomaten berichtet, haben der Europäische Auswärtige Dienst und die EU-Kommission entsprechende Optionen in einem internen Papier zur Diskussion gestellt. Ein formeller Vorschlag der Kommission soll bislang nicht vorliegen.
RONALD WITTEK / KEYSTONE
Eine der diskutierten Massnahmen sind gezielte Sanktionen gegen Personen mit Verbindungen zum russischen oder belarussischen Sport. Zudem könnten Visa eingeschränkt und EU-Fördergelder für Organisationen gekürzt werden, die Athleten aus beiden Ländern Auftritte unter ihren nationalen Symbolen ermöglichen. Auch Einschränkungen bei Medieneinnahmen werden geprüft, gelten laut Diplomaten allerdings als schwierig umzusetzen. Brüssel erwägt ausserdem, auf Drittstaaten einzuwirken, damit diese eine Rückkehr unter russischer oder belarussischer Flagge nicht erleichtern.
Hintergrund ist ein Kurswechsel im internationalen Sport. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hob im Juli die Suspendierung der Olympischen Komitees Russlands und Belarus vorläufig auf. Damit könnte sich für deren Athleten der Weg zu den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles öffnen. In Paris 2024 durften sie nur ohne Flagge, Hymne und andere nationale Kennzeichen antreten.
Innerhalb der EU ist das weitere Vorgehen allerdings umstritten. Einige Regierungen wollen Entscheidungen weiterhin den autonomen Sportverbänden überlassen, andere drängen auf eine gemeinsame europäische Linie. Ein Entwurf für entsprechende Schlussfolgerungen wurde am Dienstag nach Angaben von drei Diplomaten von der Slowakei blockiert.
Die EU-Staats- und Regierungschefs hatten sich bereits im Juni dafür ausgesprochen, eine Normalisierung der russischen Teilnahme an internationalen Sport- und Kulturveranstaltungen an einen «gerechten und dauerhaften Frieden» in der Ukraine zu knüpfen. Kommission und Auswärtiger Dienst sollen nun weitere Vorschläge ausarbeiten. Das Thema dürfte beim Treffen der EU-Minister für Bildung, Sport und Kultur am 20. November erneut auf den Tisch kommen.