Deutsche Ermittler haben zwei mutmassliche Täter des Drohnenangriffs auf den Flughafen Leipzig/Halle identifiziert – einer von ihnen soll dem russischen Militärgeheimdienst GRU nahestehen und für die Vorbereitung des Anschlags verantwortlich gewesen sein. Das berichten Welt und Bild unter Berufung auf Ermittlungsunterlagen und hochrangige Sicherheitsbeamte. Russland weist jede Beteiligung an dem Angriff zurück.
Filip Singer/DPA/Keystone
Am Abend des 4. August waren drei mit Sprengstoff bestückte Drohnen gegen eine ukrainische Transportmaschine vom Typ Antonow AN-124 eingesetzt worden. Zwei Drohnen sollen bereits beim Start zerstört worden sein. Die dritte schaffte es bis unmittelbar neben das Flugzeug, explodierte jedoch nicht. Nach Erkenntnissen der Ermittler waren insgesamt rund 1,8 Kilogramm des Sprengstoffs Semtex vorgesehen. Ein Teil davon war in einer Gemüsedose verbaut. Die Explosion blieb offenbar nur deshalb aus, weil ein Zünder abriss.
Das mögliche Ausmass war erheblich: Die Antonow war mit rund 25.000 Litern Kerosin betankt. Nach Einschätzung der Ermittler hätte eine Detonation eine gewaltige Explosion auslösen und Teile des Flughafens zerstören können.
Als Hauptverdächtige gelten der Belarusse Andrei Ka. und der Russe Oleg Le. Letzterer soll die Logistik und Vorbereitung organisiert haben und wird von deutschen Sicherheitsbehörden dem Umfeld des GRU zugerechnet. Brisant ist seine Reise nach Deutschland: Le. kam über die Türkei am Flughafen Berlin-Brandenburg an. Den Behörden war dem Bericht zufolge bereits bei seiner Einreise seine mutmassliche Verbindung zum GRU bekannt. Trotzdem wurde er nicht überwacht. Später verliess er Deutschland über denselben Flughafen Richtung Serbien und soll sich inzwischen wieder in Russland befinden.
Auf die Spur von Ka. kamen die Ermittler über DNA an einer Konstruktion, die zur Steuerung einer Drohne gedient haben soll. Seine DNA war bereits in Finnland und Litauen registriert. Polnische Behörden bringen ihn zudem mit einem mutmasslichen Sabotagebrand in einem Baumarkt in Lodz im Jahr 2024 in Verbindung. Der Sprengstoff für Leipzig soll über Bulgarien und Serbien nach Deutschland geschmuggelt, in Lastwagen versteckt und anschliessend in Erddepots gelagert worden sein.