Volkswagen könnte am Standort Osnabrück künftig Ausrüstung für das israelische Luftverteidigungssystem «Iron Dome» produzieren. Nach Informationen der Bild steht eine Einigung mit einem Rüstungsunternehmen kurz bevor. Laut Bloomberg plant der israelische Staatskonzern Rafael Advanced Defense Systems, Unterstützungsausrüstung für das Raketenabwehrsystem in Deutschland herstellen zu lassen. Vorgesehen seien unter anderem schwere Lastwagen zum Transport von Raketen, Abschussvorrichtungen und Stromgeneratoren.
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Die geplante Kooperation ist allerdings politisch und unternehmerisch kompliziert. Der katarische Staatsfonds, einer der Grossaktionäre von Volkswagen, soll Einwände gegen eine direkte Zusammenarbeit des Autobauers mit dem israelischen Rüstungskonzern haben. Deshalb wird laut Bloomberg über eine Konstruktion nachgedacht, bei der das Land Niedersachsen Teile des Osnabrücker Werks übernimmt und gemeinsam mit Rafael ein Unternehmen gründet. Volkswagen würde damit nicht unmittelbar mit Rafael kooperieren.
Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies bestätigte Überlegungen zu einer Beteiligung des Landes. «Wir prüfen derzeit, ob und in welcher Form eine Beteiligung an einer möglichen industriellen Zukunftslösung für den Standort Osnabrück in Betracht kommen kann», sagte der SPD-Politiker. Das Werk verfüge über technisches Know-how und qualifizierte Mitarbeiter. Laut Hannoverscher Allgemeiner Zeitung könnte Niedersachsen bis zu 200 Millionen Euro investieren; auch eine Beteiligung des Bundes steht demnach im Raum.
Für das VW-Werk geht es um seine Zukunft. Im kommenden Jahr endet dort die Produktion des T-Roc-Cabrios. Volkswagen und der Betriebsrat suchen deshalb nach einer neuen Nutzung für den Standort. Bislang entstanden in Osnabrück lediglich einzelne Prototypen von Militärfahrzeugen. Mit Rafael könnte erstmals Rüstungsausrüstung in Serie produziert werden.
Eine Vereinbarung könnte bereits im September unterzeichnet werden. Auch bei der Sitzung des VW-Aufsichtsrats am 4. September soll das Vorhaben Thema sein. Sollte die Konstruktion zustande kommen, würde ausgerechnet ein Werk des grössten deutschen Autobauers künftig einen Beitrag zur Produktion von Komponenten für Israels Raketenabwehr leisten – allerdings möglicherweise über den Umweg des Landes Niedersachsen.