Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat bei seinem ersten Besuch in Serbien erklärt, dass die Ukraine die Unabhängigkeit des Kosovo weiterhin nicht anerkennen wird – und damit in Pristina deutlichen Unmut ausgelöst. Wie Politico berichtet, traf Selenskyj am Samstag in Belgrad den serbischen Präsidenten Aleksandar Vucic und bezog dabei Stellung in einem der heikelsten Konflikte des Balkans.
Drako Vojinovic/AP/Keystone
Die Reaktion auf Selenskyjs Kosovo-Aussage folgte unmittelbar: In Pristina wurde ein seit 2022 an einer zentralen Strasse angebrachtes gebäudegrosses Banner in den ukrainischen Nationalfarben mit der Aufschrift «Free Ukraine» entfernt. Bürgermeister Përparim Rama erklärte, seine Solidarität gelte weiterhin «Völkern, die Krieg, Gewalt und Verfolgung ausgesetzt sind», betonte jedoch: «Respekt muss gegenseitig sein.»
Auch Kosovos Aussenminister Glauk Konjufca reagierte «mit Bedauern» auf Selenskyjs Position. Eine solche Argumentation erinnere an «Russlands Versuche, das Kosovo als Präzedenzfall anzuführen». Moskau verweist seit Jahren auf die Abspaltung des Kosovo, wenn es sein Vorgehen in anderen Territorialkonflikten rechtfertigt.
Das Kosovo erklärte 2008 seine Unabhängigkeit von Serbien. Mehr als hundert Staaten erkennen das Land an, darunter die USA, Grossbritannien und 22 der 27 EU-Mitglieder. Serbien betrachtet das mehrheitlich albanisch bewohnte Kosovo weiterhin als Teil seines Staatsgebiets.
Selenskyjs Rücksicht auf Belgrad dürfte auch militärische Gründe haben. Serbien produziert grosse Mengen Munition in sowjetischen Kalibern, die die Ukraine für ältere Artillerie und Panzer benötigt. Vucic pflegt zugleich Beziehungen zu Moskau und hat sich den EU-Sanktionen gegen Russland nicht angeschlossen, lässt aber serbische Munition indirekt in die Ukraine gelangen.
«Die Ukraine ist in einer Lage, in der sie sich nicht um Dinge kümmern kann, die über ihre unmittelbareren Bedürfnisse hinausgehen», sagte Florian Bieber, Leiter des Zentrums für Südosteuropastudien an der Universität Graz, gegenüber Politico. «Vucic ist für ihn wichtiger.»