Raphaël Glucksmann will Emmanuel Macron im Élysée-Palast beerben. Der 46-jährige Europaabgeordnete hat seine Kandidatur für die französische Präsidentschaftswahl 2027 offiziell erklärt und bringt damit Bewegung in das ohnehin dicht besetzte Rennen um Macrons Nachfolge. Er trete an, um Frankreich «wieder aufzurichten» und zu verändern, so Glucksmann laut der französischen Zeitung Le Monde.
Michel Euler/AP/Keystone
Glucksmann ist Chef der Mitte-links-Partei Place Publique, sitzt seit 2019 im Europaparlament und stammt nicht aus dem klassischen französischen Politbetrieb. Der Sohn des Philosophen André Glucksmann arbeitete zunächst als Journalist und engagierte sich nach dem Völkermord in Ruanda. Später beriet er den damaligen georgischen Präsidenten und entschiedenen Moskau-Gegner Micheil Saakaschwili. Aussenpolitisch steht Glucksmann heute für einen klar proeuropäischen Kurs und eine starke Unterstützung der Ukraine.
Innenpolitisch versucht er, einen Platz zwischen Macrons politischer Mitte und der radikalen Linken zu besetzen. Sein Kurs ist reformorientierter und gemässigter als jener grosser Teile der französischen Linken. Eine Zusammenarbeit mit Jean-Luc Mélenchon, der ebenfalls antreten will und derzeit als stärkster Kandidat des linken Lagers gilt, schliesst Glucksmann aus. Stattdessen will er im Oktober an einer gemeinsamen Vorwahl mit den Sozialisten teilnehmen. «Wir werden diese Präsidentschaftswahl gewinnen, davon bin ich überzeugt», erklärte er.
Noch sprechen die Umfragen eine andere Sprache. Glucksmann kommt derzeit auf etwa zehn bis zwölf Prozent und dürfte damit die Stichwahl verpassen. Gleichzeitig gilt er als vergleichsweise beliebt bei jüngeren Wählern. Sein Kalkül: Sozialdemokraten, gemässigte Linke und enttäuschte Macron-Wähler hinter einer Kandidatur zu versammeln. Marine Le Pen geht derweil mit bislang besonders guten Aussichten für ihr Lager in das Rennen.
Glucksmanns Kandidatur hat auch private Folgen. Seine Partnerin Léa Salamé gehört zu den bekanntesten Fernsehjournalistinnen Frankreichs und moderiert die wichtigste Nachrichtensendung von France 2. Sie hatte angekündigt, im Fall seiner Kandidatur ihren Posten aufzugeben, um einen Interessenkonflikt im Wahlkampf zu vermeiden. Glucksmann sprach von «langen Gesprächen» innerhalb des Paares. Für ihn beginnt nun ein schwieriger Weg: Erst muss er die gemässigte Linke hinter sich bringen – dann müsste er den Sprung in die Stichwahl schaffen.