Grüezi miteinander und ganz herzlich willkommen und einen wunderschönen guten Morgen, meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Freunde aus nah und fern. Ich begrüsse Sie in aller Eile aus dem Moskauer Flughafen Vnukovo zur internationalen Ausgabe von Weltwoche Daily, die andere Sicht. Unabhängig, kritisch, gut gelaunt und zuversichtlich am Freitag, dem 2. Oktober 2000. 26, gleich verlässt mein Flieger da den Dock, deshalb muss ich es heute ein bisschen kürzer machen, obwohl es viele interessante Themen gibt. Ich habe gestern teilgenommen an der Abschluss-Plenarsitzung der diesjährigen Valdai-Konferenz in Anwesenheit des russischen Präsidenten Putin. Traditionsgemäß tritt da der russische Staatschef auf und steht, redet und antwortet. gestern rund dreieinhalb Stunden und es war ein intensiver Austausch, in dem sogar ich noch zu einer ungewohnten Mitrolle gekommen bin, denn als ich meine Frage gestellt habe zu Schweizer Themen, auch warum die russische Regierung die großartige Schweizer Firma Nestle bestraft, die doch trotz Kritik so lange in Russland geblieben sei, ihr Geschäft nicht abgebrochen habe, Nahrungsmittel, auch Kindernahrung immer wieder geliefert habe, warum da diese drakonischen Maßnahmen einer Zwangs... Und der russische Präsident hat gesagt, das seien spiegelbildliche Massnahmen gegen Staaten, die ihrerseits Sanktionen gegen Russland ergriffen hätten. Aber Nestle und andere ausländische Firmen würden lediglich unter Zwangsverwaltung gestellt, nicht enteignet. Wobei sich Putin den Hinweis natürlich nicht ersparte, dass europäische Regierungen darüber nachdenken, russische Staatsgelder insgesamt den Russen wegzunehmen und zu verteilen. an die Ukraine für den Wiederaufbau usw. Wir haben über die Schweiz gesprochen, über die Neutralität, aber, und jetzt wird es interessant für die deutschen Zuschauer, in seiner Ansprache würdigte Präsident Putin sehr prominent den deutschen sozialdemokratischen Ostpolitiker Egon Bahr, einen Giganten der deutschen Nachkriegspolitik, ein enger Weggefährte von Willy Brandt, der vor allem in den 70er Jahren Wandel durch Handel gepredigt hatte, ein Egon Bahr, ein Architekt, wenn man so will, der deutschen aussenpolitischen Nachkriegsidentität. Nach den Adenauer-Jahren-Westbindung kamen eben Willy Brandt und Egon Bahr, die die Türe in Richtung Osten, in Richtung Sowjetunion wieder aufschliessen, weil diesen wirklichkeitsgeprüften und auch wirklichkeitserprobten Staatsmännern klar war, dass Europa, dieser Friedhof der einstigen Großmächte niemals wieder zum kriegerischen Faktor auf unserem Planeten werden sollte. Und dass die Voraussetzung eben dafür unter anderem darin besteht, dass Deutschland eine Brückenfunktion wahrnimmt zwischen Ost und West, zwischen Nord und Süd. Und dass es in Europa keinen Frieden geben könne gegen Russland, sondern nur mit Russland. Aber das Erbe von Egon Bahr, dieser grossartigen Persönlichkeit, das ist vergessen worden, insbesondere auch bei der deutschen. Sozialdemokratie und es brauchte dann ironischerweise, könnte man sagen, aber vielleicht auch bezeichnenderweise einen sehr deutschlandfreundlichen, traditionsgemäß und erfahrungsgemäß deutschlandfreundlichen russischen Präsidenten wie Wladimir Putin aus St. Petersburg, der an diesen großartigen, an diesen beeindruckenden Staatsmann Egon Bahr erinnerte. Und das war dann für mich sozusagen ein Steilpass, als ich zu meiner Frage eingeladen wurde. Ich konnte nämlich Putin, der Bar nie kennengelernt hat, er hat das gesagt, er bedauert das, dass er ihn nie persönlich getroffen habe, konnte ihm sagen, dass die Weltwoche, dass wir ihn eingeladen haben damals, den Egon Bar, ich habe ihn besucht im Hauptquartier der SPD in Berlin, er ist dann auf unsere Einladung nach Zürich gekommen, hat einen gemeinsamen Abend bestritten im Restaurant Kaufleuten in Zürich, wir haben genau über dieses Thema gesprochen, Frieden in Europa, Nachkriegsordnung, Krimkrise und so weiter. Die grosse Weisheit, aber auch der Humor von Egon Bahr und die extreme Klugheit, eben Weisheit dieses Politikers ist da zum Tragen gekommen. Es ist dann auch noch ein schönes Abendessen mit dabei gewesen. So konnte ich dem russischen Präsidenten erklären. Er rief mich dann auf, ich soll noch etwas erzählen, ich soll berichten über meine Erfahrungen mit Egon Bahr. So sah ich mich plötzlich in die prominente Rolle. eines Kommentators und sozusagen spontan Vortragsredners versetzt. Wir werden das sicherlich dokumentieren auf unseren Online-Kanälen. Aber wichtig ist, und das sollte man sich einfach genau vor Augen führen, angesichts der gellenden Propaganda, des Kriegsgetrommels auf unsere Webseite. ...kanälen, überall in den Mainstream-Medien, dass Putin, wenn er an so eine Persönlichkeit erinnert wie Egon Bahr, eben nicht unbedingt jenen Kriegstreiber, Zerr- und Feindbildern entspricht, die man ihm so gerne anhängt, in einem Diplomatie-Abbruch-Unternehmen, das auf moralischen Imperialismus setzt. Das ist übrigens auch ein Begriff, den ich da gestern noch angewandt habe. Also, die Weltwoche im Gespräch, im Dialog, im Austausch. mit dem russischen Präsidenten und das Thema ist Egon Barr. Und wir haben uns eigentlich am Schluss darauf verständigt, Putin und ich, dass es wieder Nachhilfeunterricht brauche, insbesondere auch vielleicht in der Bundesrepublik Deutschland. Was für grossartige, titanische Nachkriegspersönlichkeiten da eben Architekten waren, eines Ausgleichs, einer Friedensleistung. Putin sonst noch gesagt? Das über die Unternehmen habe ich erwähnt, dass eben keine Enteignungen stattfinden, sondern dass dies Retorsionsmassnahmen sind, Reaktionen auf die Sanktionen. Er hat sich intensiv dazu geäussert, dass er keinerlei Aggressive Absichten gegen Europa verfolge. Er könne das nur unterstreichen. Er wundere sich, was da geschrieben werde. Dann allerdings mit besorgter Mine. kommentierte er jene auch polnischen Drohungen und jetzt auch jüngsten Aussagen des NATO-Generalsekteurs Rütte gegenüber Kaliningrad. Da braut sich auch etwas zusammen. Und da rief Putin einfach in Erinnerung, falls der russische Boden angegriffen werden sollte, würde das bedeuten, dass das ganze Arsenal der russischen Verteidigungswaffen eingesetzt werden könnte. Er sprach nicht von Nuklearwaffen, er hat das explizit auch noch herausgestrichen, hat gesagt, es gäbe neben diesen auch speziellen Waffen. wie er sich sinngemäß ausdrückte, andere, die man zur Verteidigung einsetzen könne, weil man dürfe sich da keinerlei Illusionen hingeben, Russland werde alles tun, um sich zu verteidigen. Er legte da im Grunde seine ganze Theorie der aktuellen außenpolitischen Verwerfungen und Konfliktkonstellationen und bekräftigte da, wir können das dann alles nachschauen, wir werden das alles aufzeigen, dann in unseren Kanälen können Sie das dokumentiert nachverfolgen. Er schilderte erneut seine Wahrnehmung, dass Russland in dieser ganzen Auseinandersetzung nicht der Aggressor sei, sondern ganz im Gegenteil. Die westliche Seite habe mit dem Sieg im Kalten Krieg einfach nicht akzeptiert, dass die Russen sich da nicht unterwerfen wollten, sondern als gleichberechtigter Partner selbstverständlich für alle Gespräche zur Verfügung stehen, sondern man wollte sie schwächen, man wollte ihnen... Die westliche Ordnung, die sogenannte liberale Ordnung aufzwingen, aber das gehe nicht, denn jedes Land habe ja sein Recht nach eigener Fasson glücklich zu werden. Er warnte dann eindringlich, dass wir in einer sehr gefährlichen Eskalationsdynamik drin sind und dass es die Aufgabe wäre, aller Beteiligten sich für den Frieden einzusetzen, allerdings unter Berücksichtigung eben auch der russischen Sicherheitsinteressen. Den Ukraine-Krieg schilderte er. In seinen Worten ganz klar, er sagte, die Ukraine sei benutzt worden vom Westen, oder man sei im Begriff gewesen, die Ukraine zu benutzen, sich in dieses sehr sensible, auch zerklüftete Terrain einzumischen, um diese Ukraine zu einer Waffe, zu einer strategischen Waffe an der russischen Kehle zu machen, um Russland strategisch zu schwächen und dagegen verteidige sich sein Land, ohne jegliche aggressive Absichten gegen Europa zu haben, was man auch dadurch dokumentiert habe. X-fache Verhandlungsbereitschaft durch Gespräche, durch fast schon Einigungen, die da erzielt worden sind mit der Ukraine, kurz nach Beginn der Kampfhandlungen im Donbass im April 2022. Also hier noch einmal der ganze Tour d'Horizon und viele weitere Aspekte. Der Friedensappell war wichtig, die Mahnung an die Dringlichkeit der Situation, die Gefährlichkeit und dann natürlich eben die Würdigung, die große Hommage des Wladimir Putin an Egon. Das alles vorgetragen mit Leichtigkeit, mit zum Teil auch humorvollen Momenten, aber auch mit der gebotenen Ernsthaftigkeit. Er bedankte sich am Schluss bei der Valdai-Konferenz und bei allen Anwesenden. Er hat gesagt, wir freuen uns, dass Sie sich für Russland interessieren, dass Sie sich nicht abschrecken lassen von Sanktionen und Feindbildern. Das sei eine grosse Ehre, dass er da so eine internationale Gruppe von. Besuchen, Akademiker, Politiker, Ex-Politiker, Journalisten begrüssen, können insgesamt etwa 80 Leute an dieser Valdai-Konferenz dabei. Wirklich sehr, sehr interessant. Ich habe auch eine Reihe von Interviews gemacht, plus Einzelaussagen dokumentiert. Spannende Gespräche, auch mit Ihrer anderen, habe ich mich unterhalten, mit Professor Marandi von der... Universität Teheran, aber auch mit Professor Safai, dem ehemaligen Botschafter Irans in Moskau. Zwei unterschiedliche Mentalitäten, aber gleichermassen sehr interessante Gesprächspartner, mit denen ich natürlich über den Auskonflikt gesprochen habe und über Möglichkeiten eines Friedens. Da dann eher wenig, sagen wir mal, Lichtblickmomente in diesen... aber sicherlich für einen Journalisten auch mal interessant, hier eine ganz andere Sichtweise zu bekommen. Was sind weitere Nachrichten? Wirklich nur in aller Kürze. Litauens Ministerpräsident erklärte nach einem Treffen mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte in Brüssel, es gebe keine echten Beweise dafür, dass Russland einen Angriff auf NATO-Gebiet vorbereite. Mit anderen Worten, was wir lesen, was wir zu hören bekommen, Über angeblich unmittelbar bevorstehende russische Angriffe auf die NATO, das sind brandschwarze Lügen, meine Damen und Herren. Und es sind vor allem traurigerweise deutsche Politiker, die hier zuvorderstehen mit der Verbreitung solcher Lügen. Agnes Strack-Zimmermann, Roderich Kiesewetter und so weiter. Jetzt haben wir das gewissermassen durch Litauen noch dokumentiert. Litauen, ein Land, das ja bekanntlich sehr antagonistisch... gegenüber Russland dasteht. Die sind also keineswegs Russlandversteher oder Russlandfreunde. Im Gegenteil, die baltischen Staaten eher noch aggressiver von ihrem Zuschnitt her, auch aufgrund ihrer traumatischen historischen Erfahrungen mit der Sowjetunion. Umso bemerkenswerter ist diese Aussage, wir werden über einen unmittelbar angeblich bevorstehenden russischen Angriff nach Strich und Baden belogen, meine Damen und Herren. Wladimir Putin hat die zulässige Personalstärke der russischen Streitkräfte per Erlass vom 28. September erneut erhöht. Das ist bemerkenswert. Bundeskanzler Friedrich Merz besuchte am Donnerstag gemeinsam mit NATO-Generalsekretär Rütte und dem niederländischen Ministerpräsidenten Rob Jetten das deutsch-niederländische Korps, in dessen Hauptquartier in Münster mit Lagebriefing. Das sind Themen. Die da ausgesprochen worden sind, NATO, Generalsekretär NATO, hat ja sozusagen den Westfälischen Friedenspreis bekommen, vom Westfälischen Frieden 1648, das ist natürlich unglaublich hochgehängt. Sagen wir es mal aus schweizerischer Sicht diplomatisch so, mit dieser Auszeichnung bekommt die NATO eine Chance, endlich ihrem Ruf nachzuleben als potenzielles Friedensbündnis, aber im Grunde... werden da sehr viele Leute den Kopf darüber schütteln, dass ausgerechnet die so kriegerische NATO mit einem Friedenspreis belohnt wird. Das erinnert an den Friedensnobelpreis an Barack Obama, der ja nichts vollbracht hat. Das waren reine politische Sympathienoten, sozusagen auch ein Inzuchtpreis, der da unter seinesgleichen vergeben wird. Das ist die Thematik der EU-Rat erteilte am Donnerstag die endgültige Zustimmung zur neuen EU-Rückführungsverordnung, mit der Abschiebungen von Personen ohne Bleiberecht in der EU wirksamer durchgesetzt werden sollen. Ob sie dann auch wirksamer durchgesetzt werden, das sehen wir. In aller Kürze, das war es. Ganz herzlichen Dank Ihnen. Ich wünsche Ihnen einen guten Start in diesen Tag und werde mich sicherlich noch etwas vertiefter mit meinen Erkenntnissen aus Russland melden. Aber jetzt muss ich eilen. Jetzt geht es los, dann weiter. zurück in die Heimat. Vielen herzlichen Dank für Ihr Interesse, Ihre Aufmerksamkeit. Machen Sie es gut, bleiben Sie offen, bleiben Sie skeptisch und vor allem bleiben Sie der Weltwoche treu und gewogen. Bis dann. Entschuldigen Sie, bevor Sie dieses Video nun wegklicken, was Sie eben gesehen haben, diese Art von Journalismus, die gibt es eigentlich in dieser Form fast nicht mehr auf dieser Welt. Rede und... Gegenrede, die andere Sicht beleuchten, das ist die Weltwoche unabhängig, kritisch und ja auch gut gelaunt, weil wir eben glauben, dass selbst in den schlimmsten Abgründen immer irgendwo ein Lichtblick liegt. Wir beleuchten, was andere weglassen, wir sprechen mit jenen, mit denen sich sonst niemand zu unterhalten getraut, wir schreiben, was ist. Abonnieren Sie daher die Weltwoche, jedes Abo ist eine Liebeserklärung an die Weltwoche. Meinungsvielfalt, denn unabhängiger Journalismus funktioniert eben nur mit unabhängig kritischen und vielleicht auch gut gelaunten Lesern. Sie sind der Grund, warum wir machen können, was wir eben machen. Alle Abo-Optionen finden Sie auf unserer Website www.weltwoche.de, sowohl für Print als auch digital und maßgeschneidert auch für Deutschland. Und wenn Sie bereits Abonnent sind, dann möchte ich mich an dieser Stelle einfach mal bei Ihnen... Bedanken und wünsche Ihnen nun viel Vergnügen beim nächsten Video.