Russlands Präsident Wladimir Putin hat europäischen Staaten mit der Beschlagnahmung ihrer Schiffe gedroht, falls diese weiterhin gegen die russische «Schattenflotte» vorgehen und deren Ladungen verkaufen. «Wir werden gezwungen sein, in gleicher Weise zu reagieren», sagte Putin am Mittwoch während eines Marinemanövers im Fernen Osten Russlands. Moskau werde «überall dort handeln, wo wir es selbst für notwendig und angemessen halten – überall».
Gavriil Grigorov/Sputnik/AP/Keystone
Hintergrund sind verschärfte Sanktionen gegen Schiffe, mit denen Russland nach westlicher Darstellung die Beschränkungen für seinen Ölhandel umgeht. Mehrere europäische Staaten haben bereits Frachter abgefangen, die russisches Öl transportierten und gegen Sanktionen verstossen haben sollen. Neue EU-Regeln erlauben den Mitgliedstaaten seit vergangenem Monat, beschlagnahmtes Öl oder andere Ladungen solcher Schiffe zu verkaufen. Putin bezeichnete dieses Vorgehen als «Piraterie und Banditentum».
Ein aktueller Fall betrifft den 96 Meter langen Frachter «Caffa». Laut Welt-Bericht beschlagnahmte die schwedische Polizei das Schiff im März auf Ersuchen der ukrainischen Justiz. Es steht im Verdacht, Getreide aus russisch besetzten Gebieten der Ukraine transportiert zu haben. Schweden will den Frachter nun der Ukraine übergeben. Die «Caffa» fuhr laut dem Bericht unter falscher guineischer Flagge und steht auf einer ukrainischen Sanktionsliste. Zehn der elf Besatzungsmitglieder waren Russen.
Als «Schattenflotte» werden Schiffe bezeichnet, mit denen Russland westliche Sanktionen umgeht. Häufig handelt es sich um ältere Frachter und Tanker mit undurchsichtigen Eigentumsverhältnissen und unzureichendem Versicherungsschutz. Nach Schätzungen sind inzwischen mehr als 1000 solcher Tanker weltweit unterwegs.