Das Pentagon arbeitet an einer neuen Nuklearstrategie für einen möglichen Konflikt mit Russland oder China. Wie NBC News berichtet, soll das von Pentagon-Strategiechef Elbridge Colby ausgearbeitete Konzept den Einsatz taktischer Atomwaffen mit kürzerer Reichweite stärker gewichten und Präsident Donald Trump zusätzliche Handlungsoptionen in regionalen Krisen etwa in Europa oder im Indopazifik eröffnen.
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Colby will das Konzept bei einem Besuch des US Strategic Command in Nebraska vorstellen. Nach Angaben eines hochrangigen Vertreters des US-Verteidigungsministeriums beruht die Strategie auf Szenarien, in denen Verbündete der USA von Russland oder China angegriffen werden. «Unserer Ansicht nach brauchen wir glaubwürdige nukleare Handlungsoptionen», sagte der Beamte. Ziel sei es, dem Präsidenten «realistische und glaubwürdige Optionen» zu verschaffen und damit die Abschreckung zu stärken.
Colby kritisiert seit Jahren die bisherige amerikanische Nuklearstrategie als wenig glaubwürdig, weil sie sich vor allem auf strategische Langstreckenwaffen stützt. Dazu zählen Interkontinentalraketen, U-Boot-gestützte Raketen und Langstreckenbomber, die Ziele über Tausende Kilometer hinweg angreifen können. Taktische Atomwaffen sind dagegen für den Einsatz gegen einzelne militärische Ziele in einem begrenzten Einsatzgebiet ausgelegt. Nach Colbys Auffassung erhöhen sie die Glaubwürdigkeit der nuklearen Abschreckung in regionalen Konflikten, weil ihr Einsatz im Ernstfall realistischer erscheint.
Der Vorstoss hat in Washington eine neue Debatte ausgelöst. Kritiker warnen, eine stärkere Rolle taktischer Atomwaffen könne die Schwelle für ihren Einsatz senken. Befürworter argumentieren dagegen, nur ein breiteres Spektrum glaubwürdiger Optionen halte potenzielle Gegner von einem Angriff ab. Seit den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki im Jahr 1945 ist keine Nuklearwaffe mehr in einem bewaffneten Konflikt eingesetzt worden.