Deutschland drängt die USA, die Produktion moderner Patriot-Abfangraketen in Europa zu erlauben. Verteidigungsminister Boris Pistorius sagte am Mittwoch, er habe bei einem Treffen mit seinem US-Amtskollegen Pete Hegseth in Washington dafür geworben, Produktionslinien für PAC-3-Raketen ausserhalb der USA aufzubauen. «Wir haben klargemacht, dass wir anbieten, die enorme Nachfrage nach diesen und anderen amerikanischen Systemen durch den Aufbau von Produktionslinien in Europa und Deutschland zu decken», sagte Pistorius.
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Pistorius und Hegseth hatten vergangene Woche eine Absichtserklärung zur gemeinsamen Produktion amerikanischer Waffensysteme in Europa unterzeichnet. PAC-3 sei darin grundsätzlich eingeschlossen, sagte Pistorius. Eine konkrete Vereinbarung gibt es aber noch nicht. Offen sind vor allem Fragen des geistigen Eigentums und die Zustimmung des Pentagons, des Weissen Hauses sowie des Herstellers Lockheed Martin.
Die PAC-3-Raketen können ballistische Raketen abfangen und sind für die ukrainische Luftverteidigung besonders wichtig. Bislang zögern amerikanische Regierungsvertreter und Rüstungskonzerne jedoch, ihre Produktion ausserhalb der USA zuzulassen. Bei der älteren PAC-2-Version ist Deutschland bereits weiter: Der europäische Rüstungskonzern MBDA soll in den kommenden Monaten erstmals in Bayern mit der Lizenzproduktion beginnen.
Der Vorstoss kommt in einer Phase weltweiter Knappheit bei Abfangraketen. Selenskyj fordert von Washington mindestens 300 Patriot-Raketen für den kommenden Winter. Ob Trump diese liefern will, ist laut Financial Times offen. Im Juni hatte er der Ukraine zunächst eine Lizenz zur eigenen Patriot-Produktion in Aussicht gestellt, später aber wegen der sensiblen Technologie Vorbehalte geäussert.
Berlin will zudem erreichen, dass Deutschland amerikanische Tomahawk-Marschflugkörper in Lizenz herstellen darf. Die Bundesregierung hat deren Kauf bereits mit Washington vereinbart, muss wegen der hohen Nachfrage aber mit langen Lieferzeiten rechnen.