Neue Recherchen zur Nord-Stream-Sabotage deuten auf eine Beteiligung ukrainischer Akteure hin und werfen zugleich Fragen zur Rolle der politischen Führung in Kiew auf. Das berichtet die Bild-Zeitung unter Berufung auf Recherchen des Wall Street Journal-Journalisten Bojan Pancevski und Gespräche mit Beteiligten und Ermittlern.
Swedish Coast Guard via AP, File
Demnach sollen ukrainische Militärs den Anschlag auf die Pipelines geplant und durchgeführt haben. Pancevski, Korrespondent des Wall Street Journal, gibt an, direkten Zugang zu beteiligten Kreisen gehabt zu haben. Er habe sowohl mit mutmasslichen Tätern als auch mit deutschen Ermittlern gesprochen, denen es gelungen sei, den Anschlag in wesentlichen Teilen nachzuvollziehen.
Im Zentrum steht laut Bericht ein Team von Spezialkräften, darunter auch eine Taucherin mit dem Decknamen «Freya». Sie soll Teil der Sabotagegruppe gewesen sein und bei der Operation eine Schlüsselrolle gespielt haben. Die Gruppe habe den Angriff als militärisch gerechtfertigte Handlung im Krieg gegen Russland verstanden, da über die Pipelines Einnahmen für den russischen Staat generiert worden seien.
Unklar bleibt die Rolle des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Laut Pancevski wurde er möglicherweise informiert, als die Planungen konkreter wurden. Ein ehemaliger Berater des damaligen Generalstabschefs Walerij Saluschnyj wird mit den Worten zitiert, man habe den Präsidenten einbezogen, «um sich das ordnungsgemäss absegnen zu lassen und seinen eigenen Arsch zu retten». Gleichzeitig bestreiten Selenskyj und sein Umfeld weiterhin, in die Operation eingeweiht gewesen zu sein.
Westliche Geheimdienste sollen bereits vor dem Anschlag Hinweise auf entsprechende Planungen gehabt und Kiew zum Abbruch gedrängt haben. Ob und in welchem Umfang diese Intervention Wirkung zeigte, bleibt offen.