Wolodymyr Selenskyj weist eine Beteiligung der Ukraine an den Anschlägen auf die Nord-Stream-Pipelines erneut zurück – obwohl die deutschen Ermittlungen zunehmend in Richtung Kiew führen. Die Ukraine habe sich «niemals offiziell an irgendeiner Operation beteiligt, die mit der Sprengung von Nord Stream zu tun hatte», sagte der ukrainische Präsident am Sonntag auf eine Journalistenfrage.
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Brisant ist das Dementi vor allem wegen der Erkenntnisse der deutschen Bundesanwaltschaft. Diese hatte im Juli mitgeteilt, die Ermittler gingen davon aus, dass die Anschlagspläne im Auftrag staatlicher Stellen in der Ukraine entwickelt worden seien. Ziel der Sabotage sei es gewesen, russische Gaslieferungen über die Ostsee dauerhaft zu unterbinden und Moskau damit Einnahmen für die Finanzierung des Krieges zu entziehen.
Selenskyj widerspricht dieser Darstellung entschieden. Deutschland wisse «sehr genau, dass die Ukraine weder hinter der Ausführung noch hinter der Konzeption dieser Operation stand». Kiew unterstütze die deutschen Behörden bei ihren Ermittlungen. Zugleich machte der Präsident deutlich, dass er politische Folgen fürchtet: «Es ist für uns sehr wichtig, unsere Partnerschaft nicht zu verlieren, nicht das Vertrauen der europäischen Länder zu verlieren, die der Ukraine seit Beginn dieses Krieges helfen.»
Unterdessen verdichten sich die Ermittlungen gegen ukrainische Verdächtige. Am Mittwoch wurde in Kroatien ein Ukrainer festgenommen, der nach Überzeugung der Bundesanwaltschaft zusammen mit anderen Tauchern die Sprengsätze an den Pipelines angebracht haben soll. Ein weiterer Verdächtiger befindet sich bereits in Deutschland in Untersuchungshaft. Der mutmassliche Anführer Serhii K., ein früherer ukrainischer Offizier, war im August 2025 in Italien festgenommen und später ausgeliefert worden.
Bei den Anschlägen im September 2022 wurden die für russische Gaslieferungen nach Deutschland gebauten Nord-Stream-Leitungen schwer beschädigt. Nord Stream 1 war zu diesem Zeitpunkt bereits ausser Betrieb, Nord Stream 2 war nie in Betrieb gegangen. Wer den Anschlag politisch angeordnet hat, bleibt Gegenstand der deutschen Ermittlungen.