Saudi-Arabien hat nach Drohnenangriffen auf seine wichtigste Ost-West-Pipeline Öllieferungen nach Europa gekürzt und einzelne für Ende September geplante Ladungen gestrichen. Das berichtete Reuters unter Berufung auf Händler und Schifffahrtskreise. Der staatliche Ölkonzern Saudi Aramco lehnte eine Stellungnahme ab.
Die Angriffe beschädigten die rund 1200 Kilometer lange Pipeline, die Fördergebiete im Osten Saudi-Arabiens mit dem Hafen Yanbu am Roten Meer verbindet. Riad macht eine irakische Miliz für die Attacken verantwortlich. Die Verladung in Yanbu wurde ausgesetzt. Die Route hatte in den vergangenen Monaten stark an Bedeutung gewonnen, weil Saudi-Arabien damit die durch den Konflikt mit dem Iran beeinträchtigte Strasse von Hormus umgehen konnte.
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Damit geraten die saudischen Exporte von zwei Seiten unter Druck: Im Osten bleibt der Tankerverkehr durch die Strasse von Hormus eingeschränkt, im Westen bedrohen die Kämpfe im Jemen und die Huthi-Angriffe Infrastruktur und Schifffahrtswege am Roten Meer. Saudi-Arabien dürfte deshalb versuchen, wieder mehr Rohöl durch Hormus auszuführen.
Die Folgen sind bereits auf dem Ölmarkt zu spüren. Brent-Futures, also standardisierte Verträge zum Kauf und Verkauf von Rohöl, lagen am Dienstag bei rund 108 Dollar je Fass. Einzelne physische Ölladungen in Europa kosteten sogar mehr als 130 Dollar und näherten sich damit den Rekordständen vom April.
Besonders betroffen ist Polen. Der staatlich kontrollierte Raffineriekonzern Orlen sucht laut Reuters nach Ersatzlieferungen unter anderem aus der Nordsee, den USA, Kasachstan, Algerien und Guyana. Saudi Aramco liefert inzwischen rund 40 Prozent des von Orlen verarbeiteten Rohöls. Das half Polen, seine frühere Abhängigkeit von russischem Öl zu beenden, macht das Land nun aber empfindlich für Ausfälle aus Saudi-Arabien. Orlen erklärte, die Versorgung seiner Raffinerien sei bislang nicht unterbrochen.