Bundeskanzler Friedrich Merz ist beim Deutschen Katholikentag in Würzburg erneut vor Publikum ausgebuht worden. Klimaaktivisten störten eine Podiumsdiskussion mit dem CDU-Chef mit Pfiffen und Zwischenrufen. Es war bereits der zweite öffentliche Auftritt in dieser Woche, bei dem Merz lautstarken Protest erlebte. Bereits am Dienstag war er beim Bundeskongress des Deutschen Gewerkschaftsbunds ausgepfiffen worden.
Karl-Josef Hildenbrand/DPA/Keystone
Die mehr als tausend Zuhörer im Saal verfolgten die Szene zunächst geduldig, forderten die rund vier Protestierenden nach wenigen Minuten jedoch auf, den Saal zu verlassen. Moderator Manuel Hartung versuchte die Situation zu beruhigen und warb für einen respektvollen Diskurs. Sicherheitskräfte führten schliesslich eine Frau aus dem Saal, eine weitere Aktivistin verliess die Veranstaltung freiwillig. Danach konnte die Diskussion fortgesetzt werden.
Vor dem Congress Centrum hatten sich laut Polizei rund 400 Demonstranten versammelt, um unter anderem gegen die Klimapolitik der Bundesregierung zu protestieren.
Auslöser der Proteste waren unter anderem jüngste Aussagen von Merz zur Arbeitskultur in Deutschland. Der Kanzler hatte erklärt: «Mit Viertagewoche und Work-Life-Balance werden wir den Wohlstand dieses Landes nicht erhalten können.» Auf dem Katholikentag verteidigte er seine Aussagen und widersprach dem Vorwurf, Menschen als «faul» bezeichnet zu haben. «In meiner Partei hat noch niemand gesagt, dass die Menschen in Deutschland faul sind, auch ich nicht», sagte Merz unter Buhrufen und Gelächter aus dem Publikum.
Zugleich zeigte sich der Kanzler selbstkritisch. Er müsse seine Politik und Kommunikation besser erklären, sagte Merz. «Ich weiss, dass ich in meiner Kommunikation etwas verbessern muss, damit diese Botschaft besser verstanden wird.» Auch Spannungen innerhalb der schwarz-roten Koalition räumte er ein: «Vielleicht streiten wir im Augenblick zu viel und bringen zu wenig Ergebnisse.»
Beim Katholikentag diskutierte Merz mit Vertretern der Jugendverbände über politische Polarisierung, Demokratie und die Zukunft Deutschlands.